Wasserfall-Methode — Sequenzielles Phasen-Modell
Sequenziell, geplant, dokumentiert — der klassische Ansatz
Wasserfall ist das klassische Phasen-Modell: Anforderungen, Design, Implementierung, Test, Wartung — jede Phase abgeschlossen bevor die nächste beginnt.
Über Wasserfall
Das Wasserfall-Modell wurde 1970 von Winston Royce in einem (kritischen!) Paper erstmals beschrieben — ironischerweise als Beispiel wie man Software NICHT entwickeln sollte. Trotzdem wurde es jahrzehntelang zum Standard. Die Phasen sind klar: Anforderungs-Analyse, System-Design, Implementierung, Integration und Testing, Deployment, Maintenance. Jede Phase muss komplett abgeschlossen sein, bevor die nächste beginnt — daher der Name 'Wasserfall'. Die Stärke liegt in der Vorhersagbarkeit und Dokumentation: für Bauprojekte, Compliance-Projekte oder Festpreis-Verträge ist Wasserfall oft die richtige Wahl. Schwäche: Anpassung an späte Erkenntnisse ist teuer.
Herkunft
Winston Royce 1970 (paradoxerweise als negatives Beispiel beschrieben). Royal Air Force, US Department of Defense übernahmen es als Standard in den 1970er-80er.
Phasen von Wasserfall
Anforderungs-Analyse
Vollständige Spezifikation aller Anforderungen. Lastenheft, Pflichtenheft.
System-Design
Technische Architektur, Schnittstellen, Datenbank-Schema. Detaillierte Pläne.
Implementierung
Eigentliche Umsetzung. Bei Software: Programmierung. Bei Bau: Realisierung.
Testing und Integration
Tests gegen die Anforderungen, Integration aller Komponenten.
Deployment und Maintenance
Übergabe an Kunde/Betrieb, fortlaufende Pflege und Bugfixes.
Wann Wasserfall passt — und wann nicht
Passt für:
- Bauprojekte und physische Produktentwicklung
- Compliance-getriebene Projekte mit Audit-Anforderungen
- Projekte mit klaren, stabilen Anforderungen
- Festpreis-Projekte mit definiertem Scope
- Regulierte Branchen (Medizintechnik, Luftfahrt, Pharma)
Nicht ideal für:
- Software-Produkte mit unsicheren Anforderungen
- Innovations- und Experimentier-Projekte
- Schnell-bewegende Märkte mit Time-to-Market-Druck
- Projekte mit aktiver Kunden-Feedback-Schleife
Wasserfall im Vergleich zu anderen Methoden
vs Agile
Wasserfall ist sequenziell, Agile iterativ. Wasserfall plant einmal, Agile plant fortlaufend. Beide haben ihre Einsatzbereiche.
vs V-Modell
V-Modell ist erweitertes Wasserfall mit expliziten Testphasen parallel zu Spezifikationsphasen. Verbessert Wasserfall für Qualitätssicherung.
vs Hybrid (Water-Scrum-Fall)
Wasserfall für Planung, Scrum für Umsetzung, Wasserfall für Rollout. Beliebt in Unternehmen die agil arbeiten wollen aber Compliance-Druck haben.
Wie Flenio Wasserfall unterstützt
Flenio unterstützt klassische Wasserfall-Projekte via Gantt-Charts mit Dependencies, Milestones, Phasen-Strukturierung. HERMES- und SIA-Templates sind Wasserfall-basiert. Time-Tracking pro Phase für Honorar-Berechnung.
Häufige Fragen zu Wasserfall
Ist Wasserfall tot?
Nein. In Bauprojekten, Medizintechnik, Pharma und allen Compliance-getriebenen Branchen ist Wasserfall weiterhin Standard. Software-Welt hat sich überwiegend zu Agile bewegt.
Was ist der Unterschied zum V-Modell?
V-Modell ist Wasserfall plus systematische Testphasen pro Spezifikationsphase. Jede Spezifikation hat ihre korrespondierende Testphase auf der gleichen Hierarchie-Ebene.
Kann ich Wasserfall mit Scrum kombinieren?
Ja, sogenanntes 'Water-Scrum-Fall': Anforderungen klassisch, Umsetzung in Sprints, Rollout wieder klassisch. Beliebt in regulierten Branchen.
Andere Methoden
HERMES 2022
Schweizer Standard für öffentliche und IT-getriebene Projekte
SIA-Phasenmodell
Schweizer Norm für Architektur- und Bauprojekte
Scrum
Iterativ, transparent, empirisch — das agile Framework Nr. 1
Kanban
Pull-System statt Push — Arbeit fliesst durch das System
Agile
Werte statt Prozesse — Iteration statt grosser Pläne
PRINCE2
Strukturiert, skalierbar, zertifizierbar — Standard in UK-Behörden