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Kapitel im Leitfaden Requirements Engineering

IREB CPRE Foundation Level: Prüfung, Lehrplan und Vorbereitung

Von Leutrim MiftarajIREB CPRE Foundation Level · PMPStand: 31. Oktober 20267 Minuten Lesezeit

Kurz erklärt

Der Certified Professional for Requirements Engineering Foundation Level ist die Einstiegszertifizierung des International Requirements Engineering Board (IREB). Die Prüfung besteht aus etwa 45 Multiple-Choice-Fragen in 75 Minuten, setzt keine Vorbildung voraus und beruht auf dem Lehrplan in der Version 3.2.0 mit sieben Lerneinheiten. Das Zertifikat ist zeitlich unbegrenzt gültig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Foundation Level: etwa 45 Fragen, 75 Minuten, Fragen mit einem bis drei Punkten, keine Voraussetzungen [1].
  • Grundlage ist der Lehrplan 3.2.0, gültig seit 26. Februar 2024 [3].
  • Der Lehrplan umfasst sieben Lerneinheiten auf den Lernstufen kennen, verstehen und anwenden.
  • Auf den Foundation Level bauen Practitioner-, Specialist- und Expert-Stufen auf.

Was ist die IREB-Zertifizierung CPRE?

Das International Requirements Engineering Board (IREB) mit Sitz in Karlsruhe vergibt die Zertifizierung Certified Professional for Requirements Engineering, kurz CPRE. Der Foundation Level ist die Einstiegsstufe und vermittelt die Grundlagen, die für alle gelten, die mit Anforderungen arbeiten. Der Lehrplan nennt als Zielgruppe unter anderem Requirements Engineers, Business Analysts, Systemanalysten, Product Owner, Produktmanager, Entwickler, Projekt- und Informatikleitende sowie Fachexperten [2]. Er setzt keinen bestimmten Entwicklungsprozess voraus und deckt agile und plangetriebene Ansätze ab.

Die aktuelle Fassung des Lehrplans trägt die Version 3.2.0 und gilt seit dem 26. Februar 2024; Lehrplan, Handbuch und eine Probeprüfung stehen auf der Website des IREB zum Download bereit [3]. Die Version 3 war eine grundlegende Überarbeitung, die 2021 eingeführt wurde, um den aktuellen Stand des Requirements Engineering abzubilden; die Fassungen 3.1 und 3.2 brachten Korrekturen und ein neues Layout. Kandidierende sollten Grundkenntnisse in der Systementwicklung mit agilen und plangetriebenen Ansätzen mitbringen.

Wie ist die Prüfung aufgebaut?

Eckdaten der Prüfung CPRE Foundation Level
MerkmalAngabe
Voraussetzungenkeine
Fragenetwa 45 Multiple-Choice-Fragen
Dauer75 Minuten, auf begründeten Antrag 90 Minuten für Nicht-Muttersprachliche
Punkteje nach Schwierigkeit ein bis drei Punkte pro Frage
FragetypenEinfachauswahl, Mehrfachauswahl, Richtig-falsch-Aussagen
GrundlageLehrplan und Handbuch der Zertifizierung
Gültigkeit des Zertifikatszeitlich unbegrenzt

Die Angaben zu Voraussetzungen, Fragen, Dauer, Punkten und Fragetypen stammen aus der Prüfungsordnung des IREB in der Version 5.6.2 vom 5. Februar 2024. Sie hält fest, dass die Prüfungsfragen sich auf den Stoff von Lehrplan und Handbuch beziehen und eine Verlängerung der Prüfungszeit von 75 auf 90 Minuten schriftlich beantragt werden kann, wenn die Prüfung nicht in der Muttersprache stattfindet [1]. Dass das Zertifikat zeitlich unbegrenzt gültig ist, gibt etwa die Zertifizierungsstelle TÜV SÜD Schweiz an [5].

Die Prüfung wird von Zertifizierungsstellen abgenommen, die vom IREB lizenziert sind, häufig direkt im Anschluss an einen Kurs oder unabhängig davon, auch als Remote-Prüfung. Der Preis hängt von Anbieter, Sprache und Format ab; bei GASQ etwa kostet die englischsprachige Remote-Prüfung 250 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer [6]. Hinzu kommen gegebenenfalls Kurskosten, wenn eine Schulung gewählt wird.

Was umfasst der Lehrplan?

Die sieben Lerneinheiten des Lehrplans 3.2.0
LerneinheitInhaltLernstufeUnterrichtszeit
1 Einführung und ÜberblickBegriffe, Nutzen, Aufgaben, Rolle des Requirements Engineersverstehen1 Stunde
2 Grundprinzipiendie neun Prinzipien des Requirements Engineeringverstehen1,5 Stunden
3 Arbeitsprodukte und Dokumentationnatürliche Sprache, Schablonen, Modelle, Glossar, Prototypen, Qualitätskriterienanwenden7 Stunden
4 Praktiken zur AusarbeitungQuellen, Ermittlung, Konfliktlösung, Validierunganwenden4,5 Stunden
5 Prozess und ArbeitsstrukturEinflussfaktoren, Prozessfacetten, Konfigurationanwenden1,25 Stunden
6 Requirements ManagementLebenszyklus, Versionen, Baselines, Attribute, Traceability, Änderungen, Priorisierungverstehen2 Stunden
7 WerkzeugunterstützungArten von Werkzeugen, Einführungverstehen0,5 Stunden

Die Lernstufen sind im Lehrplan definiert: L1 kennen, also Gelerntes wiedergeben; L2 verstehen, also erklären, vergleichen und einordnen; L3 anwenden, also Wissen in gegebenen Situationen einsetzen. Höhere Stufen schliessen tiefere ein, und alle im Glossar als Grundbegriffe gekennzeichneten Begriffe müssen bekannt sein. Die Unterrichtszeiten summieren sich auf knapp 18 Stunden; Schulungsanbieter dürfen mehr Zeit einplanen, müssen aber die Verhältnisse zwischen den Lerneinheiten wahren [2]. Die grösste Lerneinheit ist die Dokumentation, gefolgt von den Praktiken zur Ausarbeitung.

Wie bereitet man sich auf die Prüfung vor?

  1. 1Lehrplan vollständig lesen und die Lernziele jeder Einheit notieren.
  2. 2Handbuch zum Foundation Level als Vertiefung nutzen, besonders für Lerneinheit 3 und 4.
  3. 3Glossar mit den Grundbegriffen lernen, da diese auch ohne ausdrückliches Lernziel geprüft werden.
  4. 4Modelle üben: einfache UML-Klassen- und Aktivitätsdiagramme selbst erstellen, weil diese auf Stufe Anwenden geprüft werden.
  5. 5Satzschablonen anwenden: einzelne Anforderungen, User Stories und Use Cases selbst formulieren.
  6. 6Probeprüfung unter realen Bedingungen absolvieren und Fehler gezielt nacharbeiten.
  7. 7Fragetypen kennen: Bei Mehrfachauswahl und Richtig-falsch-Fragen auf genaue Formulierungen achten.

Wer bereits Erfahrung mit Anforderungen hat, kann sich im Selbststudium vorbereiten; ein Kurs bietet dagegen Struktur, Übungen und Austausch. Ein häufiger Fehler ist, sich auf die eigene Praxis zu verlassen: In der Prüfung zählt die Terminologie des Lehrplans, etwa die Unterscheidung von Qualitätsanforderungen und Randbedingungen oder die Begriffe Systemgrenze und Kontextgrenze. Die Beiträge dieses Leitfadens folgen der Struktur des Lehrplans und eignen sich als Begleitlektüre, etwa Anforderungen erheben und Anforderungen formulieren.

Welche Stufen bauen auf dem Foundation Level auf?

Auf den Foundation Level folgen weitere Stufen. Die Practitioner-Stufe umfasst Module zu Requirements Elicitation, Requirements Management, RE@Agile und Requirements Modeling. Laut Prüfungsordnung bestehen die Prüfungen zu Elicitation, Management und RE@Agile aus jeweils etwa 45 Fragen in 75 Minuten, die zu Modeling aus etwa 20 Fragen in 75 Minuten [4]. Darüber liegen die Stufen Specialist und Expert. Für den agilen Einstieg gibt es zudem den RE@Agile Primer, eine kürzere Prüfung mit etwa 22 Fragen in 40 Minuten [1].

Was bringt die Zertifizierung?

Der CPRE Foundation Level ist im DACH-Raum eine weit verbreitete Zertifizierung für Requirements Engineering und wird in Stellenausschreibungen für Business Analysts und Requirements Engineers häufig genannt, ebenso in öffentlichen Ausschreibungen, die Nachweise für die Rolle verlangen. Er belegt ein gemeinsames Vokabular und Grundwissen über Methoden, nicht aber Erfahrung in der Moderation von Workshops oder im Umgang mit schwierigen Stakeholdern. Diese Fähigkeiten entstehen in der Praxis. Am wirksamsten ist die Zertifizierung, wenn sie mit konkreten Vorhaben verbunden wird, in denen das Gelernte sofort angewendet wird.

CPRE im Vergleich zu anderen Zertifizierungen

Einordnung verwandter Zertifizierungen
ZertifizierungSchwerpunktErgänzt CPRE durch
CPRE Foundation Level (IREB)Grundlagen Requirements EngineeringAusgangspunkt
Scrum-Zertifizierungen, etwa PSPORolle des Product Owners in ScrumBacklog-Management und agile Produktverantwortung
Projektmanagementzertifizierungen, etwa PMPProjektsteuerungUmfang, Termine, Kosten, Risiken
HERMES-ZertifizierungProjektmanagement in der Schweizer VerwaltungErgebnisse, Rollen und Phasen in öffentlichen Projekten

Viele Business Analysts und Product Owner kombinieren den CPRE mit einer agilen Zertifizierung, um klassische Anforderungsarbeit und agiles Backlog-Management zu verbinden. Einen Überblick über Scrum-Zertifizierungen bietet der Beitrag Scrum-Zertifizierungen, zur HERMES-Zertifizierung der Beitrag HERMES-Zertifizierung. Den Gesamtzusammenhang zeigt der Leitfaden Requirements Engineering.

Welche Fragetypen kommen in der Prüfung vor?

Die Prüfungsordnung beschreibt drei Fragetypen. Bei Einfachauswahl-Fragen ist genau eine Antwort richtig; wird keine oder mehr als eine Antwort gewählt, gibt es keine Punkte. Bei Mehrfachauswahl-Fragen sind mehrere Antworten richtig, und es wird angegeben, wie viele auszuwählen sind. Bei Richtig-falsch-Fragen folgen auf eine einleitende Frage mehrere Aussagen, die jeweils als richtig oder falsch einzustufen sind [1]. Die erreichbare Punktzahl jeder Frage steht im Fragenkopf, sodass sich die Zeit auf Fragen mit hoher Punktzahl konzentrieren lässt.

Für die Vorbereitung bedeutet das: Neben dem Wissen über die Inhalte lohnt sich die Übung mit dem Format. Die Probeprüfung des IREB enthält Fragen aller drei Typen und eignet sich, um Zeitbedarf und typische Stolperstellen kennenzulernen. Besonders bei Richtig-falsch-Fragen entscheiden oft einzelne Wörter wie «immer», «nie» oder «nur» über die richtige Antwort.

Beispiel: Vorbereitungsplan über vier Wochen

Vorbereitungsplan im Selbststudium mit etwa fünf Stunden pro Woche
WocheInhalteErgebnis
1Lerneinheiten 1 und 2, Glossar der GrundbegriffePrinzipien und Begriffe sicher erklären
2Lerneinheit 3: Dokumentation, Schablonen, Modelleeigene Anforderungen, Stories, Use Case und UML-Diagramme erstellt
3Lerneinheiten 4 und 5: Ermittlung, Konflikte, Validierung, ProzessTechniken und Prozessfacetten zuordnen können
4Lerneinheiten 6 und 7, Probeprüfung, NacharbeitProbeprüfung sicher bestanden, Lücken geschlossen

Wer einen Kurs besucht, verteilt die Inhalte meist auf zwei bis drei Tage und legt die Prüfung direkt danach ab. Auch dann lohnt es sich, Lehrplan und Glossar vorab zu lesen, weil der Kurs so für Übungen und Fragen genutzt werden kann statt für das erste Kennenlernen der Begriffe.

Was ist am Prüfungstag zu beachten?

Am Prüfungstag lohnt sich ein ruhiger, strukturierter Ablauf. Zu Beginn werden alle Fragen kurz überflogen, um ein Gefühl für Umfang und Schwierigkeit zu erhalten. Danach werden zuerst die Fragen beantwortet, die sicher gelöst werden können, und schwierige markiert, um später zurückzukehren. Bei etwa 45 Fragen in 75 Minuten bleiben im Durchschnitt rund eineinhalb Minuten pro Frage, was für sorgfältiges Lesen genügt, solange man sich nicht an einzelnen Fragen festbeisst. Wer die Prüfung nicht in der Muttersprache ablegt, sollte die mögliche Verlängerung auf 90 Minuten rechtzeitig beantragen.

Hilfreich ist zudem, jede Frage genau auf die Terminologie des Lehrplans zu prüfen. Viele Antwortoptionen klingen plausibel, verwenden aber Begriffe ungenau, etwa «Systemgrenze» statt «Kontextgrenze» oder «Verifikation» statt «Validierung». Wer den Lehrplan gründlich gelesen und die Probeprüfung mehrfach absolviert hat, erkennt solche Unterschiede schnell. Nach der Prüfung erhalten Kandidierende das Ergebnis in der Regel von der Zertifizierungsstelle; bei Bestehen wird das Zertifikat ausgestellt, das ohne Erneuerung gültig bleibt.

Häufige Fragen

Wie läuft die IREB-Prüfung CPRE Foundation Level ab?

Die Prüfung besteht laut Prüfungsordnung aus etwa 45 Multiple-Choice-Fragen in 75 Minuten. Die Fragen sind je nach Schwierigkeit ein bis drei Punkte wert. Es gibt Einfachauswahl, Mehrfachauswahl und Richtig-falsch-Aussagen. Formale Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung gibt es keine.

Welcher Lehrplan gilt für den CPRE Foundation Level?

Grundlage ist der Lehrplan in der Version 3.2.0, gültig seit dem 26. Februar 2024. Er umfasst sieben Lerneinheiten von den Grundlagen über die neun Prinzipien, Dokumentation, Ermittlung und Validierung bis zu Prozess, Requirements Management und Werkzeugen.

Wie lange ist das CPRE-Zertifikat gültig?

Das Zertifikat CPRE Foundation Level ist zeitlich unbegrenzt gültig und muss nicht erneuert werden. Wer sich weiterentwickeln will, kann aufbauende Practitioner-Module zu Elicitation, Modeling, Management oder RE@Agile sowie die Specialist- und Expert-Stufen absolvieren.

Was kostet die IREB-Prüfung?

Der Preis hängt von Zertifizierungsstelle, Sprache und Format ab. Bei GASQ kostet die englischsprachige Remote-Prüfung beispielsweise 250 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Wer einen Kurs besucht, zahlt zusätzlich die Kursgebühr, in der die Prüfung teilweise bereits enthalten ist.

Quellen

  1. [1]CPRE Foundation Level und RE@Agile Primer – Prüfungsordnung, Version 5.6.2 vom 5. Februar 2024 — International Requirements Engineering Board (IREB) e.V.. Abgerufen am 31. Oktober 2026 · Primärquelle
  2. [2]CPRE Foundation Level Syllabus, Version 3.2.0 vom 26. Februar 2024 (Bühne, Glinz, van Loenhoud, Staal) — International Requirements Engineering Board (IREB) e.V.. Abgerufen am 31. Oktober 2026 · Primärquelle
  3. [3]IREB Downloads: CPRE Foundation Level (Lehrplan, Handbuch, Probeprüfung) — International Requirements Engineering Board (IREB) e.V.. Abgerufen am 31. Oktober 2026 · Primärquelle
  4. [4]CPRE Practitioner – Prüfungsordnung, Version 1.1 — International Requirements Engineering Board (IREB) e.V.. Abgerufen am 31. Oktober 2026 · Primärquelle
  5. [5]IREB Zertifizierung: Certified Professional for Requirements Engineering — TÜV SÜD Schweiz. Abgerufen am 31. Oktober 2026
  6. [6]IREB CPRE Foundation Level Syllabus 3.2 – Remote-Prüfung buchen — GASQ Service GmbH. Abgerufen am 31. Oktober 2026

Änderungen an diesem Artikel

  • 31. Oktober 2026: Erstveröffentlichung. Grundlagen nach IREB CPRE Foundation Level Lehrplan 3.2.0, Prüfungsordnung 5.6.2 und ISO/IEC/IEEE 29148:2018.

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