Was ist die IREB-Zertifizierung CPRE?
Das International Requirements Engineering Board (IREB) mit Sitz in Karlsruhe vergibt die Zertifizierung Certified Professional for Requirements Engineering, kurz CPRE. Der Foundation Level ist die Einstiegsstufe und vermittelt die Grundlagen, die für alle gelten, die mit Anforderungen arbeiten. Der Lehrplan nennt als Zielgruppe unter anderem Requirements Engineers, Business Analysts, Systemanalysten, Product Owner, Produktmanager, Entwickler, Projekt- und Informatikleitende sowie Fachexperten [2]. Er setzt keinen bestimmten Entwicklungsprozess voraus und deckt agile und plangetriebene Ansätze ab.
Die aktuelle Fassung des Lehrplans trägt die Version 3.2.0 und gilt seit dem 26. Februar 2024; Lehrplan, Handbuch und eine Probeprüfung stehen auf der Website des IREB zum Download bereit [3]. Die Version 3 war eine grundlegende Überarbeitung, die 2021 eingeführt wurde, um den aktuellen Stand des Requirements Engineering abzubilden; die Fassungen 3.1 und 3.2 brachten Korrekturen und ein neues Layout. Kandidierende sollten Grundkenntnisse in der Systementwicklung mit agilen und plangetriebenen Ansätzen mitbringen.
Wie ist die Prüfung aufgebaut?
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Voraussetzungen | keine |
| Fragen | etwa 45 Multiple-Choice-Fragen |
| Dauer | 75 Minuten, auf begründeten Antrag 90 Minuten für Nicht-Muttersprachliche |
| Punkte | je nach Schwierigkeit ein bis drei Punkte pro Frage |
| Fragetypen | Einfachauswahl, Mehrfachauswahl, Richtig-falsch-Aussagen |
| Grundlage | Lehrplan und Handbuch der Zertifizierung |
| Gültigkeit des Zertifikats | zeitlich unbegrenzt |
Die Angaben zu Voraussetzungen, Fragen, Dauer, Punkten und Fragetypen stammen aus der Prüfungsordnung des IREB in der Version 5.6.2 vom 5. Februar 2024. Sie hält fest, dass die Prüfungsfragen sich auf den Stoff von Lehrplan und Handbuch beziehen und eine Verlängerung der Prüfungszeit von 75 auf 90 Minuten schriftlich beantragt werden kann, wenn die Prüfung nicht in der Muttersprache stattfindet [1]. Dass das Zertifikat zeitlich unbegrenzt gültig ist, gibt etwa die Zertifizierungsstelle TÜV SÜD Schweiz an [5].
Die Prüfung wird von Zertifizierungsstellen abgenommen, die vom IREB lizenziert sind, häufig direkt im Anschluss an einen Kurs oder unabhängig davon, auch als Remote-Prüfung. Der Preis hängt von Anbieter, Sprache und Format ab; bei GASQ etwa kostet die englischsprachige Remote-Prüfung 250 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer [6]. Hinzu kommen gegebenenfalls Kurskosten, wenn eine Schulung gewählt wird.
Was umfasst der Lehrplan?
| Lerneinheit | Inhalt | Lernstufe | Unterrichtszeit |
|---|---|---|---|
| 1 Einführung und Überblick | Begriffe, Nutzen, Aufgaben, Rolle des Requirements Engineers | verstehen | 1 Stunde |
| 2 Grundprinzipien | die neun Prinzipien des Requirements Engineering | verstehen | 1,5 Stunden |
| 3 Arbeitsprodukte und Dokumentation | natürliche Sprache, Schablonen, Modelle, Glossar, Prototypen, Qualitätskriterien | anwenden | 7 Stunden |
| 4 Praktiken zur Ausarbeitung | Quellen, Ermittlung, Konfliktlösung, Validierung | anwenden | 4,5 Stunden |
| 5 Prozess und Arbeitsstruktur | Einflussfaktoren, Prozessfacetten, Konfiguration | anwenden | 1,25 Stunden |
| 6 Requirements Management | Lebenszyklus, Versionen, Baselines, Attribute, Traceability, Änderungen, Priorisierung | verstehen | 2 Stunden |
| 7 Werkzeugunterstützung | Arten von Werkzeugen, Einführung | verstehen | 0,5 Stunden |
Die Lernstufen sind im Lehrplan definiert: L1 kennen, also Gelerntes wiedergeben; L2 verstehen, also erklären, vergleichen und einordnen; L3 anwenden, also Wissen in gegebenen Situationen einsetzen. Höhere Stufen schliessen tiefere ein, und alle im Glossar als Grundbegriffe gekennzeichneten Begriffe müssen bekannt sein. Die Unterrichtszeiten summieren sich auf knapp 18 Stunden; Schulungsanbieter dürfen mehr Zeit einplanen, müssen aber die Verhältnisse zwischen den Lerneinheiten wahren [2]. Die grösste Lerneinheit ist die Dokumentation, gefolgt von den Praktiken zur Ausarbeitung.
Wie bereitet man sich auf die Prüfung vor?
- 1Lehrplan vollständig lesen und die Lernziele jeder Einheit notieren.
- 2Handbuch zum Foundation Level als Vertiefung nutzen, besonders für Lerneinheit 3 und 4.
- 3Glossar mit den Grundbegriffen lernen, da diese auch ohne ausdrückliches Lernziel geprüft werden.
- 4Modelle üben: einfache UML-Klassen- und Aktivitätsdiagramme selbst erstellen, weil diese auf Stufe Anwenden geprüft werden.
- 5Satzschablonen anwenden: einzelne Anforderungen, User Stories und Use Cases selbst formulieren.
- 6Probeprüfung unter realen Bedingungen absolvieren und Fehler gezielt nacharbeiten.
- 7Fragetypen kennen: Bei Mehrfachauswahl und Richtig-falsch-Fragen auf genaue Formulierungen achten.
Wer bereits Erfahrung mit Anforderungen hat, kann sich im Selbststudium vorbereiten; ein Kurs bietet dagegen Struktur, Übungen und Austausch. Ein häufiger Fehler ist, sich auf die eigene Praxis zu verlassen: In der Prüfung zählt die Terminologie des Lehrplans, etwa die Unterscheidung von Qualitätsanforderungen und Randbedingungen oder die Begriffe Systemgrenze und Kontextgrenze. Die Beiträge dieses Leitfadens folgen der Struktur des Lehrplans und eignen sich als Begleitlektüre, etwa Anforderungen erheben und Anforderungen formulieren.
Welche Stufen bauen auf dem Foundation Level auf?
Auf den Foundation Level folgen weitere Stufen. Die Practitioner-Stufe umfasst Module zu Requirements Elicitation, Requirements Management, RE@Agile und Requirements Modeling. Laut Prüfungsordnung bestehen die Prüfungen zu Elicitation, Management und RE@Agile aus jeweils etwa 45 Fragen in 75 Minuten, die zu Modeling aus etwa 20 Fragen in 75 Minuten [4]. Darüber liegen die Stufen Specialist und Expert. Für den agilen Einstieg gibt es zudem den RE@Agile Primer, eine kürzere Prüfung mit etwa 22 Fragen in 40 Minuten [1].
Was bringt die Zertifizierung?
Der CPRE Foundation Level ist im DACH-Raum eine weit verbreitete Zertifizierung für Requirements Engineering und wird in Stellenausschreibungen für Business Analysts und Requirements Engineers häufig genannt, ebenso in öffentlichen Ausschreibungen, die Nachweise für die Rolle verlangen. Er belegt ein gemeinsames Vokabular und Grundwissen über Methoden, nicht aber Erfahrung in der Moderation von Workshops oder im Umgang mit schwierigen Stakeholdern. Diese Fähigkeiten entstehen in der Praxis. Am wirksamsten ist die Zertifizierung, wenn sie mit konkreten Vorhaben verbunden wird, in denen das Gelernte sofort angewendet wird.
CPRE im Vergleich zu anderen Zertifizierungen
| Zertifizierung | Schwerpunkt | Ergänzt CPRE durch |
|---|---|---|
| CPRE Foundation Level (IREB) | Grundlagen Requirements Engineering | Ausgangspunkt |
| Scrum-Zertifizierungen, etwa PSPO | Rolle des Product Owners in Scrum | Backlog-Management und agile Produktverantwortung |
| Projektmanagementzertifizierungen, etwa PMP | Projektsteuerung | Umfang, Termine, Kosten, Risiken |
| HERMES-Zertifizierung | Projektmanagement in der Schweizer Verwaltung | Ergebnisse, Rollen und Phasen in öffentlichen Projekten |
Viele Business Analysts und Product Owner kombinieren den CPRE mit einer agilen Zertifizierung, um klassische Anforderungsarbeit und agiles Backlog-Management zu verbinden. Einen Überblick über Scrum-Zertifizierungen bietet der Beitrag Scrum-Zertifizierungen, zur HERMES-Zertifizierung der Beitrag HERMES-Zertifizierung. Den Gesamtzusammenhang zeigt der Leitfaden Requirements Engineering.
Welche Fragetypen kommen in der Prüfung vor?
Die Prüfungsordnung beschreibt drei Fragetypen. Bei Einfachauswahl-Fragen ist genau eine Antwort richtig; wird keine oder mehr als eine Antwort gewählt, gibt es keine Punkte. Bei Mehrfachauswahl-Fragen sind mehrere Antworten richtig, und es wird angegeben, wie viele auszuwählen sind. Bei Richtig-falsch-Fragen folgen auf eine einleitende Frage mehrere Aussagen, die jeweils als richtig oder falsch einzustufen sind [1]. Die erreichbare Punktzahl jeder Frage steht im Fragenkopf, sodass sich die Zeit auf Fragen mit hoher Punktzahl konzentrieren lässt.
Für die Vorbereitung bedeutet das: Neben dem Wissen über die Inhalte lohnt sich die Übung mit dem Format. Die Probeprüfung des IREB enthält Fragen aller drei Typen und eignet sich, um Zeitbedarf und typische Stolperstellen kennenzulernen. Besonders bei Richtig-falsch-Fragen entscheiden oft einzelne Wörter wie «immer», «nie» oder «nur» über die richtige Antwort.
Beispiel: Vorbereitungsplan über vier Wochen
| Woche | Inhalte | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Lerneinheiten 1 und 2, Glossar der Grundbegriffe | Prinzipien und Begriffe sicher erklären |
| 2 | Lerneinheit 3: Dokumentation, Schablonen, Modelle | eigene Anforderungen, Stories, Use Case und UML-Diagramme erstellt |
| 3 | Lerneinheiten 4 und 5: Ermittlung, Konflikte, Validierung, Prozess | Techniken und Prozessfacetten zuordnen können |
| 4 | Lerneinheiten 6 und 7, Probeprüfung, Nacharbeit | Probeprüfung sicher bestanden, Lücken geschlossen |
Wer einen Kurs besucht, verteilt die Inhalte meist auf zwei bis drei Tage und legt die Prüfung direkt danach ab. Auch dann lohnt es sich, Lehrplan und Glossar vorab zu lesen, weil der Kurs so für Übungen und Fragen genutzt werden kann statt für das erste Kennenlernen der Begriffe.
Was ist am Prüfungstag zu beachten?
Am Prüfungstag lohnt sich ein ruhiger, strukturierter Ablauf. Zu Beginn werden alle Fragen kurz überflogen, um ein Gefühl für Umfang und Schwierigkeit zu erhalten. Danach werden zuerst die Fragen beantwortet, die sicher gelöst werden können, und schwierige markiert, um später zurückzukehren. Bei etwa 45 Fragen in 75 Minuten bleiben im Durchschnitt rund eineinhalb Minuten pro Frage, was für sorgfältiges Lesen genügt, solange man sich nicht an einzelnen Fragen festbeisst. Wer die Prüfung nicht in der Muttersprache ablegt, sollte die mögliche Verlängerung auf 90 Minuten rechtzeitig beantragen.
Hilfreich ist zudem, jede Frage genau auf die Terminologie des Lehrplans zu prüfen. Viele Antwortoptionen klingen plausibel, verwenden aber Begriffe ungenau, etwa «Systemgrenze» statt «Kontextgrenze» oder «Verifikation» statt «Validierung». Wer den Lehrplan gründlich gelesen und die Probeprüfung mehrfach absolviert hat, erkennt solche Unterschiede schnell. Nach der Prüfung erhalten Kandidierende das Ergebnis in der Regel von der Zertifizierungsstelle; bei Bestehen wird das Zertifikat ausgestellt, das ohne Erneuerung gültig bleibt.