Psychologie im Projekt
Besitztumseffekt: Warum wir überschätzen, was uns gehört
Für: Projektleiter, Entscheidungsgremien und Teams, die über Ablösungen, Änderungen oder Abbrüche entscheiden.
Kurz erklärt
Der Besitztumseffekt beschreibt, dass Menschen Dinge höher bewerten, sobald sie ihnen gehören. In Experimenten von Kahneman, Knetsch und Thaler (1990) verlangten Besitzer einer Kaffeetasse etwa doppelt so viel für den Verkauf, wie Käufer zu zahlen bereit waren. Im Projekt erschwert der Effekt den Abschied von eigenen Konzepten, bestehenden Tools und laufenden Projekten.
Das eigene Konzept, das bestehende System, das laufende Projekt – sie erscheinen wertvoller, weil sie «unsere» sind. Der Besitztumseffekt erklärt, warum Ablösungen und Kurswechsel schwerer fallen, als es die Fakten nahelegen.
Was die Forschung zeigt
Daniel Kahneman, Jack Knetsch und Richard Thaler verteilten Kaffeetassen an einen Teil der Versuchspersonen. Die Besitzer verlangten für den Verkauf deutlich mehr, als die anderen für den Kauf zu zahlen bereit waren – obwohl die Tassen identisch und die Zuteilung zufällig war. Der Effekt hängt eng mit der Verlustaversion zusammen: Etwas herzugeben fühlt sich wie ein Verlust an.
Im Projekt
Typische Formen:
- Bestehende Tools werden besser bewertet als gleichwertige Alternativen
- Eigene Konzepte werden gegen bessere Vorschläge verteidigt
- Selbst entwickelte Lösungen werden Standardprodukten vorgezogen
- Laufende Projekte werden trotz schwacher Aussichten weitergeführt
Gegensteuern
Eine hilfreiche Perspektive ist die Frage: Würden wir diese Lösung heute wählen, wenn wir sie noch nicht hätten? Externe Bewertungen und vorab festgelegte Kriterien helfen, den eigenen Bezug zu neutralisieren. Und es entlastet, Ablösungen nicht als Scheitern des Bestehenden darzustellen, sondern als nächsten Schritt.
Häufige Fragen
Was ist der Endowment Effect?
Die Neigung, Dinge höher zu bewerten, sobald man sie besitzt – unabhängig von ihrem tatsächlichen Wert.
Wie hängt der Effekt mit dem Status-quo-Bias zusammen?
Beide führen dazu, das Bestehende zu bevorzugen. Der Besitztumseffekt erklärt einen Teil davon: Das Bestehende gehört uns und erscheint deshalb wertvoller.
Wie hilft das Wissen um den Effekt bei Tool-Wechseln?
Es erklärt Widerstände und legt nahe, Alternativen mit festen Kriterien zu bewerten und die Frage zu stellen, was man heute neu wählen würde.
Weiterführend
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