FlenioFlenio

Psychologie im Projekt

Einstellungseffekt: Warum bewährte Lösungen bessere verhindern

Für: Projektleiter, Architekten, Entwickler und Berater, die Probleme lösen und Lösungen auswählen.

Kurz erklärt

Der Einstellungseffekt beschreibt, dass eine bekannte Lösungsmethode das Finden einfacherer oder besserer Lösungen erschwert. Abraham Luchins zeigte das 1942 mit Wasserkrug-Aufgaben: Wer eine komplizierte Methode gelernt hatte, wandte sie weiter an, obwohl ein einfacher Weg möglich war. Im Projekt führt der Effekt dazu, dass Teams bewährte Lösungen wiederholen, auch wenn das Problem anders gelagert ist.

Erfahrung ist wertvoll – bis sie den Blick verengt. Wer ein Problem schon zehnmal auf dieselbe Weise gelöst hat, erkennt beim elften Mal kaum, dass es diesmal einfacher ginge. Der Einstellungseffekt erklärt, warum Expertise manchmal zum Hindernis wird.

Die Wasserkrug-Experimente

Abraham Luchins gab Versuchspersonen Aufgaben, bei denen mit drei Krügen eine bestimmte Wassermenge abgemessen werden sollte. Die ersten Aufgaben liessen sich nur mit einer umständlichen Formel lösen. Bei späteren Aufgaben gab es einen viel einfacheren Weg – doch die meisten, die die Formel gelernt hatten, wandten sie weiter an; manche lösten neue Aufgaben gar nicht mehr. Spätere Studien mit Schachspielern zeigten denselben Effekt selbst bei Experten.

Im Projekt

Typische Formen:

  • Jedes Projekt wird mit derselben Architektur oder demselben Tool umgesetzt
  • Prozesse werden übernommen, weil sie im letzten Projekt funktioniert haben
  • Probleme werden in bekannte Kategorien gepresst, statt neu betrachtet zu werden
  • Vorschläge von Neuen werden mit «haben wir schon immer so gemacht» abgelehnt

Den Blick weiten

Hilfreich ist, vor der Lösung das Problem ausdrücklich neu zu beschreiben: Was ist diesmal anders? Bewusst mehrere Lösungsoptionen zu entwickeln, bevor eine gewählt wird, durchbricht den Automatismus. Perspektiven von Personen ohne Vorerfahrung – neue Teammitglieder, andere Abteilungen – sind dabei besonders wertvoll.

Häufige Fragen

Was ist der Einstellungseffekt einfach erklärt?

Wer eine Lösungsmethode kennt, wendet sie automatisch wieder an und übersieht dabei einfachere oder bessere Alternativen.

Wie unterscheidet sich der Einstellungseffekt vom Status-quo-Bias?

Der Status-quo-Bias betrifft die Vorliebe für den bestehenden Zustand. Der Einstellungseffekt betrifft das Denken beim Problemlösen: Bekannte Lösungswege blockieren das Finden neuer.

Wie nutze ich Erfahrung, ohne in die Falle zu tappen?

Indem man das Problem vor der Lösung neu beschreibt, mindestens zwei Alternativen prüft und Personen ohne Vorerfahrung einbezieht.

Vom Werkzeug zur Praxis

Flenio bringt Projekte, Zeit, Auslastung und Rechnungen in ein Werkzeug — Hosting in Zürich, CHF und EUR, revDSG und DSGVO.

Einstellungseffekt – Problemlösen im Projekt | Flenio · Flenio