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Kapitel im Leitfaden Prozessmanagement und BPMN

BPMN-Symbole und Gateways erklärt: Ereignisse, Aktivitäten, Flüsse, Pools und Lanes

Von Leutrim MiftarajBPMN-2.0-Experte · PMPStand: 31. Oktober 20266 Minuten Lesezeit

Kurz erklärt

BPMN kennt fünf Grundkategorien von Symbolen: Flussobjekte (Ereignisse, Aktivitäten, Gateways), verbindende Objekte (Sequenz- und Nachrichtenfluss), Teilnehmer (Pools und Lanes), Artefakte (Kommentare, Gruppen) und Daten. Für verständliche Diagramme genügt ein kleiner Teil davon. Gateways steuern Verzweigungen: exklusiv (genau ein Weg), inklusiv (ein oder mehrere Wege), parallel (alle Wege) und ereignisbasiert (das erste eintretende Ereignis entscheidet).

Das Wichtigste in Kürze

  • ISO/IEC 19510 definiert Notation und Semantik aller BPMN-Elemente [1].
  • eCH-0158 beschränkt die deskriptive Modellierung auf einen reduzierten Symbolsatz [2].
  • Vor einem exklusiven oder inklusiven Gateway steht eine Aktivität, die entscheidet.
  • Sequenzflüsse verbinden Schritte innerhalb eines Pools, Nachrichtenflüsse verbinden Pools.

Welche Symbolkategorien kennt BPMN?

Die BPMN-Spezifikation, als ISO/IEC 19510:2013 identisch mit OMG BPMN 2.0.1, definiert Notation und Semantik für Kollaborations-, Prozess- und Choreographiediagramme [1]. Die Symbole lassen sich in Flussobjekte, verbindende Objekte, Teilnehmer, Artefakte und Daten gliedern. Flussobjekte bestimmen das Verhalten des Prozesses: Ereignisse, Aktivitäten und Gateways. Verbindende Objekte zeigen Reihenfolge und Kommunikation. Teilnehmer, also Pools und Lanes, ordnen Schritte den Beteiligten zu. Artefakte wie Kommentare und Gruppen dienen nur dem Verständnis und haben keinen Einfluss auf den Ablauf.

Für die deskriptive Modellierung, also die Darstellung aus Geschäftssicht, beschränkt eCH-0158 die Auswahl bewusst. Das Ziel ist, dass Prozesse so modelliert werden, dass sie sowohl für die Fachseite als auch für die Informatik lesbar und verständlich sind; dazu werden Diagrammtypen und Symbole bewusst eingeschränkt [2]. Die folgenden Abschnitte folgen dieser reduzierten Auswahl und ergänzen die Regeln des Standards.

Welche Ereignisse gibt es?

Ereignisse in der deskriptiven Modellierung nach eCH-0158
EreignisAusprägungenBeschriftungBeispiel
Startereignisunbestimmt, Nachricht, Bedingung, ZeitgeberZeitgeber mit Zeitpunkt, Bedingung mit der Bedingung«am 1. je Monat», «Antrag eingegangen»
Zwischenereigniseingehende Nachricht, Zeitgeber, BedingungZeitgeber mit zeitlicher Regel«10 Tage», «Unterlagen eingetroffen»
Endereignisunbestimmtmit dem Status des Ergebnisses«Bericht erstellt», «Bestellung fehlerhaft»

Jeder Prozess hat mindestens ein Startereignis, und jeder Prozesszweig führt zu einem Endereignis. Mehrere Startereignisse werden unmittelbar mit einem passenden Gateway zusammengeführt. Endereignisse werden mit dem Status der Leistungserbringung beschriftet; dieser Status kann als Startereignis eines anderen Prozesses dienen, was die Verknüpfung von Prozessen erleichtert [2]. Ausgehende Nachrichten werden auf der deskriptiven Ebene in der entsprechenden Aktivität versandt und nicht über ein auslösendes Nachrichtenereignis, das zur analytischen Ebene gehört.

Was ist der Unterschied zwischen Tätigkeit und Unterprozess?

Aktivität ist in eCH-0158 der Überbegriff für Tätigkeit und Unterprozess. Eine Tätigkeit ist ein unteilbarer Arbeitsschritt. Ein Unterprozess steht für einen Prozess auf einer tieferen Ebene der Prozessarchitektur und wird in einem eigenen Diagramm beschrieben; er wird angelegt, um eine Darstellung zu verkürzen oder einen Ablauf an mehreren Stellen wiederzuverwenden. Aktivitäten werden immer mit einem vorangestellten Substantiv und einem Verb im Infinitiv benannt, etwa «Korrekturen begründen». Auf eine Aktivität folgt genau ein Sequenzfluss, und auf Tätigkeiten mit einer Prüfung folgt immer ein Gateway [2].

Gute und schlechte Bezeichnungen von Aktivitäten
SchlechtProblemBesser
Prüfungkein Verb, unklar was geschiehtAntrag prüfen
Rechnungnur ein ObjektRechnung erstellen
Daten in CRM eingeben und Kunde informierenzwei Tätigkeiten in einerKundendaten erfassen, Kunde informieren
Bearbeitung durch SachbearbeitungRolle gehört in die LaneGesuch bearbeiten (in Lane Sachbearbeitung)
Meeting abhaltenSprachmischungSitzung durchführen

Wie funktionieren die vier Gateway-Typen?

Gateways und ihre Logik
GatewaySymbolVerzweigungZusammenführung
Exklusiv (XOR)Raute, leer oder mit Xgenau ein Ausgang wird gewähltwartet auf den einen ankommenden Zweig
Inklusiv (OR)Raute mit Kreisein oder mehrere Ausgänge, je nach Bedingungwartet auf alle aktivierten Zweige
Parallel (AND)Raute mit Plusalle Ausgänge gleichzeitigwartet auf alle Zweige
EreignisbasiertRaute mit Fünfeck im Kreisdas zuerst eintretende Ereignis bestimmt den Wegnicht zur Zusammenführung

eCH-0158 legt für Gateways klare Regeln fest: Vor einem exklusiven oder inklusiven Gateway ist eine Aktivität obligatorisch, die die Verzweigung auf Basis einer Geschäftsregel bestimmt; ausgenommen sind ereignisbasierte Gateways. Verzweigende Gateways werden nur beschriftet, wenn das den Informationsgehalt verbessert; zusammenführende, parallele und ereignisbasierte Gateways werden nicht beschriftet. Die Zusammenführung verzweigter Flüsse ist obligatorisch und erfolgt auf derselben horizontalen Linie wie die Verzweigung, ausser ein Zweig endet vorher in einem Endereignis oder bildet eine Kontrollschleife [2].

Ein Beispiel: Nach der Tätigkeit «Antrag prüfen» folgt ein exklusives Gateway mit zwei beschrifteten Ausgängen, «fehlerhaft» und «fehlerlos». Der Ausgang «fehlerhaft» führt zu «Antrag überarbeiten» und zurück zur Prüfung, der Ausgang «fehlerlos» zu «Antrag weiterleiten». Folgen mehr als zwei exklusive oder inklusive Gateways aufeinander, handelt es sich laut eCH-0158 meist um eine Geschäftsregel, die besser in einer Entscheidungstabelle nach DMN, in Prosa oder in einer Checkliste beschrieben und im Diagramm durch eine Aktivität ersetzt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Sequenz- und Nachrichtenfluss?

Verbindende Objekte
ElementDarstellungVerbindetBeschriftung nach eCH-0158
Sequenzflussdurchgezogener PfeilAktivitäten, Ereignisse und Gateways innerhalb eines Poolsgrundsätzlich nicht, ausser nach XOR- und OR-Gateways mit dem Entscheid
Nachrichtenflussgestrichelter Pfeil mit offenem Kreis am AnfangElemente verschiedener Poolsmit der Information oder dem Medium, etwa «Bestellung» oder «E-Mail»
Assoziationgepunktete LinieKommentare mit Elementenkeine

Sequenzflüsse werden horizontal verbunden; Rückflüsse und Überkreuzungen sind zu vermeiden. Verzweigungen aus einer Aktivität erfolgen nicht direkt, sondern über ein Gateway. Nachrichtenflüsse werden von Aktivitäten ausgelöst, oben oder unten an den Elementen angebunden und dürfen sich nicht überlagern [2]. Ein häufiger Fehler ist, Sequenzflüsse über Poolgrenzen zu ziehen: Zwischen Pools darf nur kommuniziert werden, nicht der Ablauf weitergegeben.

Wie werden Pools und Lanes eingesetzt?

Ein Pool stellt einen Teilnehmer an einer Kollaboration dar, etwa eine Organisation, eine Rolle oder einen anderen Prozess. In einem aufgeklappten Pool wird genau ein vollständiger Prozess modelliert; zugeklappte Pools enthalten keine Elemente und zeigen externe Teilnehmer, mit denen über Nachrichtenflüsse kommuniziert wird. In der Regel wird nur der eigene Pool aufgeklappt, und jeder Pool kommt in einem Diagramm nur einmal vor. Lanes stellen Rollen und Zuständigkeiten innerhalb eines Pools dar, werden im Singular beschriftet und höchstens dreifach verschachtelt [2]. Das Glossar erklärt den Begriff unter Swimlane.

Der Unterschied ist für die Praxis wichtig: Lanes gehören zum selben Prozess und teilen den Sequenzfluss; Pools sind eigenständige Teilnehmer, deren interne Abläufe man nicht steuert. Ein Kunde, eine Behörde oder ein Lieferant ist deshalb ein eigener, meist zugeklappter Pool, während Projektleitung, Sachbearbeitung und Buchhaltung einer Organisation Lanes im eigenen Pool sind. Zuständigkeiten über Lanes hinaus lassen sich mit einer RACI-Matrix ergänzen.

Welche Symbole kommen in der analytischen Modellierung hinzu?

Für Analyse und Gestaltung von Prozessen reicht der deskriptive Symbolsatz oft nicht aus, etwa wenn Fehler, Eskalationen, Abbrüche oder Fristüberschreitungen genau modelliert werden sollen. Eine Beilage zu eCH-0158 beschreibt dafür eine erweiterte Symbolpalette für die gestalterische und analytische Modellierung [3]. Typisch sind angeheftete Zwischenereignisse an Aktivitäten, etwa ein Zeitgeber, der eine Eskalation auslöst, wenn eine Tätigkeit zu lange dauert, sowie weitere Ereignistypen für Fehler und Abbruch.

Typische Fehler beim Einsatz von Symbolen

Fehler und Korrektur
FehlerKorrektur
Gateway ohne vorangehende PrüftätigkeitTätigkeit einfügen, die entscheidet, etwa «Antrag prüfen»
Unbeschriftete Ausgänge nach XORAusgänge mit dem Entscheid beschriften
Sequenzfluss über PoolgrenzenNachrichtenfluss verwenden, Ablauf im jeweiligen Pool modellieren
Verzweigung direkt aus einer AktivitätGateway dazwischen setzen
Zweig ohne EndereignisZweig mit beschriftetem Endereignis abschliessen
Lane mit gleichem Namen wie PoolLane als Rolle im Singular benennen

Symbole in der Praxis einführen

Wer BPMN in einer Organisation einführt, sollte eine kurze Symbolübersicht mit den erlaubten Elementen und Regeln bereitstellen, idealerweise auf einer Seite. eCH-0158 eignet sich als Grundlage, auch ausserhalb der Verwaltung. Ergänzt um zwei bis drei Musterdiagramme aus dem eigenen Umfeld entsteht eine Vorgabe, an der sich alle Modellierenden orientieren. Beispiele aus Dienstleistungsunternehmen zeigt der Beitrag BPMN-Beispiele aus Agentur, Kanzlei und Treuhand; wie Prozesse aufgenommen werden, beschreibt der Beitrag Prozesse aufnehmen. Den Gesamtzusammenhang zeigt der Leitfaden BPMN 2.0 und Prozessmanagement.

Wie lernt man die BPMN-Symbole am schnellsten?

Am schnellsten lernt man BPMN, indem man einen bekannten Ablauf selbst modelliert. Beginnen Sie mit einem einfachen Prozess aus dem eigenen Alltag, etwa einer Spesenabrechnung, und verwenden Sie nur Start- und Endereignis, Tätigkeiten, ein exklusives Gateway und eine Lane pro Rolle. Ergänzen Sie dann einen externen Teilnehmer als zugeklappten Pool mit Nachrichtenflüssen und ein Zeitgeber-Ereignis für eine Frist. Mit diesen Elementen lässt sich bereits ein grosser Teil der Geschäftsprozesse verständlich darstellen. Erst danach lohnt sich der Blick auf parallele und inklusive Gateways oder auf Unterprozesse.

Hilfreich ist zudem, eigene Diagramme gegen die Regeln von eCH-0158 zu prüfen: Steht vor jedem exklusiven Gateway eine Prüftätigkeit, endet jeder Zweig in einem Endereignis, sind die Ausgänge beschriftet, und bleibt das Diagramm unter fünfzehn Aktivitäten? Wer diese vier Fragen beantwortet, vermeidet die häufigsten Fehler von Anfang an.

Wer zusätzlich die Benennungsregeln einhält, erhält Diagramme, die auch Personen ohne BPMN-Kenntnisse auf Anhieb verstehen.

Eine kurze Symbolübersicht auf einer Seite, die neben jedem Diagramm liegt, unterstützt zusätzlich in der Anfangsphase.

Häufige Fragen

Welche BPMN-Symbole gibt es?

BPMN gliedert die Symbole in Flussobjekte mit Ereignissen, Aktivitäten und Gateways, verbindende Objekte mit Sequenz- und Nachrichtenflüssen, Teilnehmer mit Pools und Lanes, Artefakte wie Kommentare und Gruppen sowie Datenobjekte. Für verständliche Geschäftsprozesse genügt ein kleiner Teil davon.

Was ist der Unterschied zwischen XOR- und OR-Gateway?

Beim exklusiven XOR-Gateway wird genau ein Ausgang gewählt. Beim inklusiven OR-Gateway können ein oder mehrere Ausgänge gleichzeitig aktiv werden, je nachdem welche Bedingungen erfüllt sind; die Zusammenführung wartet dann auf alle aktivierten Zweige. Vor beiden steht eine entscheidende Aktivität.

Was ist der Unterschied zwischen Pool und Lane?

Ein Pool stellt einen eigenständigen Teilnehmer dar, etwa eine Organisation oder einen Kunden, mit dem über Nachrichtenflüsse kommuniziert wird. Lanes unterteilen einen Pool in Rollen oder Zuständigkeiten, die denselben Prozess und Sequenzfluss teilen.

Wann verwendet man einen Nachrichtenfluss?

Ein Nachrichtenfluss zeigt Kommunikation zwischen verschiedenen Pools, etwa eine Bestellung an einen Lieferanten oder eine Verfügung an einen Gesuchsteller. Innerhalb eines Pools wird der Ablauf dagegen mit Sequenzflüssen dargestellt. Sequenzflüsse dürfen Poolgrenzen nicht überschreiten.

Quellen

  1. [1]ISO/IEC 19510:2013 Information technology — Object Management Group Business Process Model and Notation — International Organization for Standardization (ISO). Abgerufen am 1. November 2026 · Primärquelle
  2. [2]eCH-0158 BPMN-Modellierungskonventionen für die öffentliche Verwaltung, Version 1.2 (genehmigt 2020-06-05) — Verein eCH. Abgerufen am 1. November 2026 · Primärquelle
  3. [3]Beilage zu eCH-0158: Erweiterte Symbolpalette für analytische Modellierung von Geschäftsprozessen, V1.2 — Verein eCH. Abgerufen am 1. November 2026 · Primärquelle

Änderungen an diesem Artikel

  • 31. Oktober 2026: Erstveröffentlichung. Grundlagen nach ISO/IEC 19510:2013 (BPMN 2.0.1), eCH-0158 V1.2 und Keller/Nüttgens/Scheer (1992).

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