Psychologie im Projekt
Affektheuristik: Wenn das Bauchgefühl Risiko und Nutzen bewertet
Für: Projektleiter, Entscheidungsgremien und Fachverantwortliche, die Optionen bewerten.
Kurz erklärt
Die Affektheuristik beschreibt, dass Menschen Risiken und Nutzen einer Sache nach ihrem Gefühl beurteilen: Was man mag, erscheint nützlich und wenig riskant, was man ablehnt, riskant und wenig nützlich. Paul Slovic und Kollegen haben den Effekt ab den 2000er-Jahren beschrieben. Im Projekt prägt er etwa Technologie- und Lieferantenentscheide.
Das Team liebt eine neue Technologie – und plötzlich wirken ihre Risiken klein. Ein Lieferant hat beim ersten Treffen einen schlechten Eindruck hinterlassen – und sein Angebot erscheint riskanter, als es ist. Die Affektheuristik erklärt, warum Gefühl und Einschätzung so eng zusammenhängen.
Was die Forschung zeigt
Studien zeigen, dass Menschen Risiko und Nutzen einer Sache gegenläufig einschätzen, obwohl beide in der Realität oft zusammen hoch oder tief sind. Wer etwas positiv empfindet, sieht hohen Nutzen und geringes Risiko. Unter Zeitdruck verstärkt sich der Effekt. Slovic, Finucane, Peters und MacGregor beschrieben die Affektheuristik als schnelle, gefühlsbasierte Bewertung, die analytisches Abwägen ersetzt.
Im Projekt
Typische Situationen:
- Lieblingstechnologie des Teams wird mit kleinen Risiken bewertet
- Ein unsympathischer Lieferant schneidet schlechter ab als sein Angebot
- Projekte von geschätzten Personen werden optimistischer eingeschätzt
- Ein schlechtes Erlebnis mit einer Methode führt zu pauschaler Ablehnung
Gegensteuern
Hilfreich ist, Nutzen und Risiken getrennt und mit Kriterien zu bewerten – idealerweise von unterschiedlichen Personen. Eine Nutzwertanalyse mit vorab festgelegten Kriterien schwächt den Einfluss des ersten Eindrucks. Und die Frage «Würde ich das genauso sehen, wenn ich die Option nicht mögen würde?» bringt oft überraschende Antworten.
Häufige Fragen
Was ist die Affektheuristik einfach erklärt?
Die Neigung, Risiken und Nutzen nach dem Gefühl gegenüber einer Sache zu bewerten statt nach einer sachlichen Analyse.
Ist Bauchgefühl bei Entscheiden schlecht?
Nicht grundsätzlich. Erfahrung verdichtet sich oft in Intuition. Problematisch wird es, wenn das Gefühl die Analyse ersetzt, statt sie zu ergänzen.
Wie hängt der Effekt mit dem Halo-Effekt zusammen?
Beide beschreiben, wie ein Gesamteindruck einzelne Urteile färbt. Der Halo-Effekt betrifft vor allem Personen, die Affektheuristik die Bewertung von Risiko und Nutzen.
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