Psychologie im Projekt
Kobra-Effekt: Wenn Anreize das Gegenteil bewirken
Für: Führungskräfte, PMO und Projektleiter, die Kennzahlen, Ziele oder Anreize gestalten.
Kurz erklärt
Der Kobra-Effekt beschreibt Massnahmen, die das Problem verschlimmern, das sie lösen sollen, weil sie Fehlanreize setzen. Die namensgebende Anekdote: Eine Kopfprämie für tote Kobras soll dazu geführt haben, dass Kobras gezüchtet wurden. Im Projekt entsteht der Effekt etwa, wenn geschlossene Tickets belohnt werden – und Tickets künstlich aufgeteilt oder voreilig geschlossen werden.
Jede Kennzahl, an die eine Belohnung geknüpft ist, verändert Verhalten – nicht immer wie beabsichtigt. Der Kobra-Effekt ist die extreme Form: Die Massnahme macht das Problem grösser. Wer Ziele und Anreize setzt, sollte die Mechanik kennen.
Herkunft des Begriffs
Die Geschichte von der Kobra-Prämie im kolonialen Delhi wird häufig erzählt, ihre historische Belegbarkeit ist aber unsicher. Populär wurde der Begriff durch den Ökonomen Horst Siebert, der ihn 2001 als Titel eines Buches über Fehlsteuerungen in der Wirtschaftspolitik verwendete. Gut belegt sind ähnliche Fälle, etwa eine Rattenprämie im kolonialen Hanoi. Die Mechanik ist dieselbe: Belohnt wird ein Messwert, nicht das eigentliche Ziel.
Fehlanreize im Projekt
Typische Beispiele:
- Belohnung für geschlossene Tickets führt zu voreiligem Schliessen und Wiedereröffnen
- Vorgaben zu verrechenbaren Stunden führen zu aufgeblähtem Aufwand beim Kunden
- Termintreue als Bonusziel führt zu grosszügigen Puffern in jeder Schätzung
- Fehlerquote als Ziel führt dazu, dass Fehler nicht mehr gemeldet werden
Anreize robust gestalten
Wirksame Gegenmassnahmen sind mehrere sich ausgleichende Kennzahlen statt einer, regelmässige Prüfung, ob eine Kennzahl noch das Ziel abbildet, und Gespräche über Ergebnisse statt mechanische Belohnung. Bevor ein Anreiz eingeführt wird, hilft eine einfache Frage: Wie könnte jemand diese Zahl verbessern, ohne das eigentliche Ziel zu erreichen?
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kobra-Effekt und Goodharts Gesetz?
Goodharts Gesetz beschreibt, dass eine Kennzahl ihre Aussagekraft verliert, sobald sie zum Ziel wird. Der Kobra-Effekt geht weiter: Die Massnahme verschlimmert das ursprüngliche Problem.
Ist die Geschichte mit den Kobras wahr?
Ihre historische Belegbarkeit ist unsicher. Vergleichbare, besser dokumentierte Fälle wie die Rattenprämie in Hanoi zeigen aber dieselbe Mechanik.
Wie vermeide ich Fehlanreize bei Projektzielen?
Mit mehreren ausgewogenen Kennzahlen, regelmässiger Überprüfung und der Frage, wie sich eine Zahl verbessern liesse, ohne das Ziel zu erreichen.
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