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Psychologie im Projekt

Mentale Buchführung: Warum Geld nicht gleich Geld ist

Für: Projektleiter, Controller und Budgetverantwortliche.

Kurz erklärt

Mentale Buchführung beschreibt, dass Menschen Geld in gedankliche Konten einteilen und je nach Konto unterschiedlich damit umgehen – obwohl Geld austauschbar ist. Richard Thaler hat das Konzept ab den 1980er-Jahren entwickelt. Im Projekt zeigt es sich, wenn Restbudget am Jahresende ausgegeben wird, weil es «sonst verfällt», oder wenn Reserven als frei verfügbares Geld behandelt werden.

«Das Budget ist ja noch da – das müssen wir bis Ende Jahr ausgeben.» Solche Sätze zeigen, wie stark Budgets als getrennte Töpfe wahrgenommen werden. Die mentale Buchführung erklärt, warum dieselbe Summe je nach Herkunft und Bezeichnung ganz unterschiedlich verwendet wird.

Was die Forschung zeigt

Richard Thaler beschrieb, dass Menschen Ausgaben und Einnahmen gedanklichen Konten zuordnen: Haushaltsgeld, Feriengeld, unerwarteter Gewinn. Unerwartetes Geld wird leichtfertiger ausgegeben, und Ausgaben werden nach Konto bewertet statt nach dem Gesamtvermögen. Für seine Beiträge zur Verhaltensökonomie erhielt Thaler 2017 den Wirtschaftsnobelpreis.

Im Projekt

Typische Formen:

  • Restbudget wird am Jahresende ausgegeben, weil es sonst verfällt
  • Reserven werden als zusätzliches Budget behandelt
  • Externe Kosten werden kritischer geprüft als interne Stunden
  • Einsparungen in einem Projekt werden nicht auf andere übertragen

Gesamtsicht statt Töpfe

Gegen die Verzerrung hilft eine Gesamtsicht: Interne und externe Kosten im selben Projektbudget, Reserven getrennt ausgewiesen und nur auf Entscheid freigegeben, Einsparungen sichtbar an das Portfolio zurückgegeben. Budgetregeln, die das Ausgeben von Restbudgets belohnen, sollten überprüft werden – sie erzeugen genau das Verhalten, das niemand will.

Häufige Fragen

Was ist Mental Accounting?

Die Neigung, Geld gedanklich in getrennte Konten einzuteilen und je nach Konto unterschiedlich damit umzugehen, obwohl Geld austauschbar ist.

Warum wird Restbudget am Jahresende ausgegeben?

Weil es als eigenes Konto wahrgenommen wird, das sonst verfällt, und weil Budgetregeln oft kürzere Folgebudgets bei Unterschreitung vorsehen. Sinnvoller sind Regeln, die Einsparungen belohnen.

Wie sollte man mit Projektreserven umgehen?

Getrennt ausweisen, an konkrete Risiken knüpfen und nur auf Entscheid freigeben. Nicht verbrauchte Reserven gehen zurück an das Portfolio.

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