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Psychologie im Projekt

Nullrisiko-Verzerrung: Warum wir kleine Risiken ganz beseitigen wollen

Für: Projektleiter, Risikoverantwortliche und Entscheidungsgremien, die Massnahmen priorisieren.

Kurz erklärt

Die Nullrisiko-Verzerrung beschreibt die Vorliebe, ein kleines Risiko vollständig zu eliminieren, statt ein grosses Risiko deutlich zu senken – selbst wenn Letzteres mehr Schaden verhindert. Baron, Gowda und Kunreuther zeigten das 1993 bei Entscheiden über Altlastensanierungen. Im Projekt führt der Effekt dazu, dass Budget in sichtbare, kleine Risiken fliesst statt in die wirklich grossen.

Ein Risiko auf null zu bringen fühlt sich befriedigend an – es ist abgehakt. Ein grosses Risiko nur zu halbieren fühlt sich dagegen unvollständig an, obwohl es oft viel mehr bringt. Diese Asymmetrie verzerrt die Verteilung knapper Mittel im Risikomanagement.

Was die Forschung zeigt

In Studien zu Umweltrisiken bevorzugten Versuchspersonen Massnahmen, die ein kleines Risiko vollständig beseitigten, gegenüber Massnahmen, die insgesamt mehr Schaden verhinderten, aber ein Restrisiko liessen. Jonathan Baron, Rajeev Gowda und Howard Kunreuther beschrieben diese Präferenz 1993. Die Gewissheit der vollständigen Beseitigung wird höher gewichtet als ihr tatsächlicher Wert.

Im Projekt

Der Effekt zeigt sich, wenn:

  • Kleine, gut verstandene Risiken aufwendig vollständig abgesichert werden
  • Grosse, diffuse Risiken (Akzeptanz, Anforderungen, Abhängigkeiten) kaum Massnahmen erhalten
  • Massnahmen nach «erledigt» statt nach Wirkung bewertet werden
  • Restrisiken grosser Themen als Scheitern empfunden werden

Nach Wirkung priorisieren

Die Gegenmassnahme ist eine quantitative Sicht: erwarteter Schaden (Wahrscheinlichkeit mal Auswirkung) vor und nach der Massnahme, im Verhältnis zu ihren Kosten. So wird sichtbar, dass die Halbierung eines grossen Risikos oft mehr bringt als die Eliminierung eines kleinen. Restrisiken werden bewusst akzeptiert und dokumentiert – das ist professionelles Risikomanagement, kein Versäumnis.

Häufige Fragen

Was ist die Nullrisiko-Verzerrung einfach erklärt?

Die Neigung, kleine Risiken lieber ganz zu beseitigen, statt grosse Risiken stärker zu senken – auch wenn Letzteres mehr Schaden verhindern würde.

Wie priorisiere ich Risikomassnahmen richtig?

Nach der Reduktion des erwarteten Schadens im Verhältnis zu den Kosten der Massnahme. Ein Risikoscore oder eine einfache Rechnung hilft dabei.

Ist es falsch, Risiken vollständig zu beseitigen?

Nein, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist. Problematisch wird es, wenn dafür grössere Risiken vernachlässigt werden.

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