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Psychologie im Projekt

Überlebensirrtum (Survivorship Bias): Warum Erfolgsgeschichten täuschen

Für: Projektleiter, Führungskräfte und PMO, die aus Erfahrungen lernen und Methoden auswählen wollen.

Kurz erklärt

Der Überlebensirrtum entsteht, wenn nur die sichtbaren Erfolgsfälle betrachtet werden und die gescheiterten unsichtbar bleiben. Bekanntes Beispiel: Abraham Wald empfahl im Zweiten Weltkrieg, Flugzeuge dort zu verstärken, wo zurückgekehrte Maschinen keine Einschusslöcher hatten – denn Treffer an diesen Stellen brachten Flugzeuge zum Absturz. Im Projekt täuschen ähnlich einseitige Erfolgsgeschichten.

«Das Unternehmen X hat mit Methode Y Erfolg gehabt – machen wir es auch so.» Solche Schlüsse klingen plausibel, übersehen aber alle, die mit derselben Methode gescheitert sind und von denen man nie hört. Der Überlebensirrtum ist einer der häufigsten Denkfehler bei Best Practices, Tool-Entscheiden und Lessons Learned.

Das Beispiel der Flugzeuge

Der Statistiker Abraham Wald arbeitete im Zweiten Weltkrieg für die Statistical Research Group in New York. Untersucht wurden zurückgekehrte Bomber und ihre Einschusslöcher. Die naheliegende Idee war, die stark getroffenen Stellen zu verstärken. Wald argumentierte umgekehrt: Die Stellen ohne Treffer waren die gefährlichen – Flugzeuge, die dort getroffen wurden, kehrten nicht zurück. Die Geschichte ist in Details ausgeschmückt überliefert, die Logik dahinter gilt unverändert.

Formen im Projekt

Der Effekt zeigt sich, wo nur Erfolge sichtbar werden:

  • Best Practices von erfolgreichen Unternehmen, ohne die Gescheiterten mit derselben Praxis
  • Lessons Learned nur aus erfolgreich abgeschlossenen Projekten, abgebrochene werden nicht ausgewertet
  • Referenzprojekte von Anbietern, die nur die gelungenen Einführungen zeigen
  • «Wir haben das immer so gemacht und es hat funktioniert» – die Fälle, in denen es nicht funktionierte, sind vergessen

Gegenmassnahmen

Die wichtigste Frage lautet: Welche Fälle sehe ich nicht? Wer Methoden oder Werkzeuge auswählt, sollte nach gescheiterten Einführungen fragen und Referenzen gezielt nach Problemen befragen. Für die eigene Organisation heisst das: auch abgebrochene und gescheiterte Projekte systematisch auswerten. Gerade sie enthalten die wertvollsten Lernpunkte.

Häufige Fragen

Was ist Survivorship Bias einfach erklärt?

Ein Denkfehler, bei dem man aus den sichtbaren Erfolgsfällen falsche allgemeine Schlüsse zieht, weil die gescheiterten Fälle nicht sichtbar sind.

Wie hängt Survivorship Bias mit Lessons Learned zusammen?

Werden nur erfolgreiche Projekte ausgewertet, entsteht ein verzerrtes Bild. Abgebrochene oder gescheiterte Projekte gehören genauso in die Auswertung.

Ist die Geschichte mit den Flugzeugen wahr?

Abraham Wald hat tatsächlich an der Analyse von Einschussschäden gearbeitet. Die populäre Erzählung ist vereinfacht, die zugrunde liegende statistische Überlegung ist aber korrekt.

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