Psychologie im Projekt
Peter-Prinzip: Warum gute Fachleute zu überforderten Projektleitern werden
Für: Geschäftsführer, Teamleads und HR in Beratungen, Agenturen und Planungsbüros.
Kurz erklärt
Das Peter-Prinzip (Laurence J. Peter und Raymond Hull, 1969) besagt, dass Menschen aufgrund ihrer Leistung in der aktuellen Rolle befördert werden — bis sie eine Rolle erreichen, für die andere Fähigkeiten nötig sind. Im Projektgeschäft typisch: Die beste Fachperson wird Projektleiterin, obwohl Führung und Koordination andere Kompetenzen verlangen. Gegenmittel: Beförderung nach Eignung für die neue Rolle, Fachlaufbahnen, Einarbeitung.
Die beste Architektin wird Projektleiterin, der beste Entwickler Teamlead. Beide waren herausragend in ihrer Rolle — und genau das ist der Grund für die Beförderung. Dass die neue Rolle kaum etwas mit der alten gemein hat, fällt erst auf, wenn es knirscht. Das Peter-Prinzip beschreibt dieses Muster pointiert, und empirische Studien bestätigen den Kern.
Der Effekt
Peter und Hull formulierten 1969 satirisch: «In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.» Hinter der Pointe steckt eine Logik: Befördert wird nach der Leistung in der aktuellen Rolle, nicht nach der Eignung für die nächste. Eine Studie mit Verkaufsdaten von über 200 Firmen (Benson, Li und Shue, 2019) fand genau das: Die besten Verkäufer wurden bevorzugt zu Verkaufsleitern befördert — und ihre Teams schnitten danach schlechter ab.
Im Projekt
- Die beste Fachperson wird Projektleiterin und arbeitet weiter vor allem fachlich — die Koordination bleibt liegen
- Neue Projektleiter erhalten keine Einarbeitung in Planung, Budget und Führung
- Wer als Fachperson glänzte, tut sich schwer, Arbeit abzugeben
- Die Organisation verliert eine exzellente Fachkraft und gewinnt eine mittelmässige Führungskraft
Was hilft
- Eignung für die neue Rolle prüfen, nicht Leistung in der alten belohnen
- Fachlaufbahnen mit gleichem Ansehen und Lohn wie Führungslaufbahnen
- Projektleitung zuerst auf Probe oder bei einem kleinen Projekt übernehmen lassen
- Einarbeitung und Coaching für neue Projektleiter fest einplanen
- Rückkehr in die Fachrolle ohne Gesichtsverlust ermöglichen
Häufige Fragen
Ist das Peter-Prinzip wissenschaftlich belegt?
Es war als Satire gemeint. Neuere Studien zeigen aber, dass Beförderungen nach aktueller Leistung tatsächlich zu schlechteren Führungsergebnissen führen können. Die Pointe übertreibt, der Mechanismus ist real.
Wie erkenne ich, ob jemand für Projektleitung geeignet ist?
An Verhalten, das jetzt schon sichtbar ist: koordiniert die Person freiwillig, gibt sie Arbeit ab, kommuniziert sie proaktiv, behält sie den Überblick über mehr als ihre eigene Aufgabe?
Was tun, wenn es schon passiert ist?
Offen ansprechen, Unterstützung anbieten (Coaching, Projektassistenz, Werkzeuge) und eine ehrliche Zwischenbilanz nach drei bis sechs Monaten vereinbaren — mit der Option, zurückzuwechseln.
Weiterführend
Psychologie
Dunning-Kruger-Effekt: Warum Anfänger sich sicher sind und Experten zweifeln
Effekt verstehenPsychologie
Halo-Effekt: Warum das gut präsentierte Projekt das Budget bekommt
Effekt verstehenChecklisten
Checkliste Mitarbeiter-Onboarding
Checkliste öffnenChecklisten
Checkliste Stellvertretung regeln
Checkliste öffnenPsychologie
Planungsfehlschluss: Warum wir immer zu knapp schätzen
Effekt verstehenPsychologie
Parkinsonsches Gesetz: Arbeit dehnt sich auf die verfügbare Zeit
Effekt verstehenPsychologie
Hofstadters Gesetz: Es dauert länger, auch wenn man es weiss
Effekt verstehenBegriffe: Projektleiter · Projektorganisation · Servant Leadership · Onboarding
Vom Werkzeug zur Praxis
Flenio bringt Projekte, Zeit, Auslastung und Rechnungen in ein Werkzeug — Hosting in Zürich, CHF und EUR, revDSG und DSGVO.