Was ist simap.ch?
simap.ch — Système d'information sur les marchés publics en Suisse — ist die gemeinsame elektronische Plattform von Bund, Kantonen und Gemeinden für das öffentliche Beschaffungswesen.[1] Den Verein simap.ch gründeten anfangs 2002 der Bund, 23 Kantone und einige Gemeinden, auf Initiative der Kantone Genf und Waadt.[2] Seit 2011 sind alle Kantone und der Bund Mitglied und publizieren ihre öffentlichen Beschaffungen auf der Plattform.[3]
Für Anbieter ist simap der zentrale Zugang zum öffentlichen Markt. Bund, Kantone und Gemeinden schreiben dort jährlich Aufträge im Wert von rund 20 Milliarden Franken aus, darunter zahlreiche IT-Dienstleistungen.[4] Wer im öffentlichen Sektor wachsen will, kommt an der Plattform nicht vorbei.
Die neue Plattform seit Juli 2024
Seit dem 1. Juli 2024 steht eine neue produktive Plattform zur Verfügung; die Schulungsplattform educ.simap.ch dient zum Üben, und Publikationen der alten Plattform sind auf archiv.simap.ch einsehbar.[1] Die alte und die neue Plattform wurden im zweiten Halbjahr 2024 parallel betrieben.[3] Die alte Plattform (old.simap.ch) wurde am 31. März 2025 ausser Betrieb genommen; ihre Publikationen bleiben im Archiv verfügbar.[5]
Die Plattform wurde von Grund auf neu entwickelt; der Verein investierte laut Fachpresse rund 5 Millionen Franken bei einem Budget von 6,9 Millionen und will sie bis Ende 2026 weiter ausbauen.[4] Ziel ist, den Beschaffungsprozess vollständig digital abzuwickeln — bis hin zur elektronischen Angebotseingabe mit Signaturprüfung.[5]
Registrierung und Anbieterprofil
Ausschreibungen lassen sich auch ohne Konto durchsuchen. Für den Download von Unterlagen, das Stellen von Fragen und Benachrichtigungen braucht es ein Benutzerkonto. Für die neue Plattform mussten sich alle Auftraggeber und Anbieter neu registrieren. Ein vollständiges Anbieterprofil lohnt sich: Vergabestellen, die ein Einladungsverfahren vorbereiten, sehen so, welche Unternehmen welche Leistungen anbieten.
- 1Konto für das Unternehmen anlegen und verifizieren.
- 2Unternehmensdaten pflegen: Firma, UID, Adresse, Ansprechpersonen.
- 3Leistungsbereiche über CPV-Codes beschreiben.
- 4Suchaufträge mit Benachrichtigung einrichten.
- 5Zuständigkeiten im Unternehmen festlegen: Wer prüft neue Publikationen, wer entscheidet über eine Teilnahme?
CPV-Codes verstehen
Wer unsicher ist, welche Codes passen, findet sie in den Publikationen früherer Aufträge mit ähnlichem Gegenstand.
Aufträge werden nach dem Common Procurement Vocabulary (CPV) klassifiziert, einem europäischen Nomenklatursystem. Die Auftragsart muss mit dem Haupt-CPV-Code übereinstimmen; Lieferaufträge beginnen zum Beispiel mit 03 bis 44 oder 48.[1] Für Anbieter sind CPV-Codes das wichtigste Suchkriterium, weil Titel und Beschreibungen sehr unterschiedlich formuliert sind.
| CPV-Bereich | Gegenstand |
|---|---|
| 48 | Softwarepakete und Informationssysteme |
| 72 | IT-Dienste: Beratung, Software-Entwicklung, Internet und Hilfestellung |
| 79 | Dienstleistungen für Unternehmen: Recht, Marketing, Consulting, Personalgewinnung |
| 71 | Dienstleistungen von Architektur-, Konstruktions- und Ingenieurbüros |
| 80 | Allgemeine und berufliche Bildung |
Die Bereiche sind beispielhaft. Empfehlenswert ist, die CPV-Codes eigener Referenzprojekte in vergangenen Ausschreibungen nachzuschlagen und den Suchauftrag daraus abzuleiten.
Suchaufträge einrichten
Anbieter können auf simap Suchaufträge im Abo erstellen, sodass sie benachrichtigt werden, sobald eine passende Ausschreibung erscheint.[6] Ein guter Suchauftrag ist eng genug, um nicht täglich Dutzende irrelevante Meldungen zu liefern, und breit genug, um nichts Wichtiges zu verpassen.
- Mit CPV-Codes beginnen, dann mit Stichworten verfeinern.
- Mehrere Suchaufträge für unterschiedliche Leistungsbereiche anlegen statt einen sehr breiten.
- Region und Sprache berücksichtigen, wenn das Unternehmen nur in bestimmten Landesteilen anbietet.
- Neben Ausschreibungen auch Vorankündigungen und Zuschläge beobachten — sie zeigen, wer was gewinnt.
- Suchaufträge regelmässig überprüfen und anpassen.
Welche Publikationen gibt es?
Auf simap erscheinen verschiedene Arten von Publikationen. Die Kantone nennen unter anderem Ausschreibung, Wettbewerb, Studienauftrag, freihändige Vergabe und Vorankündigung.[1]
| Publikation | Bedeutung für Anbieter |
|---|---|
| Vorankündigung | Frühzeitiger Hinweis auf eine geplante Ausschreibung; Zeit für Vorbereitung |
| Ausschreibung | Start des Verfahrens; Unterlagen, Fragen- und Eingabefristen beachten |
| Wettbewerb und Studienauftrag | Lösungsfindung, oft bei Planungs- und Architekturleistungen |
| Freihändige Vergabe | Publikation einer direkten Vergabe oberhalb der Schwellenwerte; Hinweis auf mögliche Rechtsmittel |
| Zuschlag | Ergebnis des Verfahrens; Beginn der Beschwerdefrist |
Fragen, Unterlagen und Fristen
Auch die Gültigkeitsdauer des Angebots ist eine Frist: Sie legt fest, wie lange ein Anbieter an sein Angebot gebunden ist, und sollte in Kalkulation und Kapazitätsplanung berücksichtigt werden.
Fragen zur Ausschreibung können direkt in der Plattform über ein Frage-Antwort-Forum gestellt werden.[3] Die Antworten gehen an alle Anbieter und werden Teil der Ausschreibungsunterlagen. Wer eine Unklarheit nicht fragt, sondern selbst interpretiert, riskiert ein Angebot, das an der Erwartung vorbeigeht — oder einen Ausschluss.
Fristen sind in öffentlichen Verfahren strikt. Ein verspätetes Angebot wird nicht berücksichtigt. Publikationen sind zudem teilweise erst am Folgetag auf simap ersichtlich, wie der Kanton Schwyz für seine Publikationen festhält.[3] Für Anbieter heisst das: Fristen sofort nach dem Download in den eigenen Kalender übertragen und interne Termine für Entwurf, Review und Freigabe rückwärts planen.
| Frist | Was zu tun ist |
|---|---|
| Fragefrist | Unklarheiten schriftlich über die Plattform stellen |
| Antwortpublikation | Antworten lesen und ins Angebot einarbeiten |
| Eingabefrist | Vollständiges Angebot fristgerecht einreichen |
| Zuschlagspublikation | Ergebnis prüfen; Beschwerdefrist beginnt |
Elektronische Eingabe und Signaturen
Die neue Plattform wird schrittweise auf die vollständig elektronische Abwicklung ausgebaut. Laut Newsletter des Projekts soll simap.ch Angebote automatisch nach Signaturen durchsuchen, diese prüfen und das Prüfergebnis anzeigen.[5] Welche Form der Eingabe und welche Signatur verlangt wird, legt aber jede Ausschreibung selbst fest. Anbieter sollten frühzeitig klären, ob sie eine qualifizierte elektronische Signatur benötigen, und die Einrichtung nicht auf den Tag der Eingabe verschieben.
Wie wertet man eine Ausschreibung schnell aus?
Wer täglich mehrere Benachrichtigungen erhält, braucht einen schnellen Filter. Bewährt hat sich, jede neue Ausschreibung in wenigen Minuten anhand derselben Fragen zu prüfen, bevor Unterlagen im Detail gelesen werden:
| Frage | Wo die Antwort steht |
|---|---|
| Passt der Gegenstand zu unserem Angebot? | Titel, Beschreibung, CPV-Code |
| Erfüllen wir die Eignungskriterien sicher? | Eignungskriterien und verlangte Nachweise |
| Wo liegen die Punkte? | Zuschlagskriterien und Gewichtung |
| Reicht die Zeit? | Frage- und Eingabefrist |
| Lohnt sich der Aufwand? | Auftragswert, Laufzeit, Optionen |
Fällt die Prüfung positiv aus, folgt der Bid/No-Bid-Entscheid und die genaue Lektüre. Wie Kriterien gelesen und gewichtet werden, beschreibt das Kapitel Zuschlagskriterien.
Simap als Quelle für Marktwissen
Dabei gilt: Wer früh weiss, dass eine Ausschreibung kommt, kann Referenzen, Team und Konzept in Ruhe vorbereiten — ein Vorteil, der sich in der Qualität des Angebots zeigt.
simap ist nicht nur eine Liste aktueller Ausschreibungen. Über Zuschläge und Vorankündigungen entsteht ein Bild des Marktes: Welche Vergabestellen kaufen regelmässig welche Leistungen? Wann laufen Rahmenverträge aus? Welche Anbieter gewinnen in welchen Bereichen? Unternehmen, die diese Informationen systematisch sammeln, können sich auf Folgeausschreibungen vorbereiten, statt erst bei der Publikation zu reagieren.
- Zuschläge der wichtigsten Vergabestellen über mehrere Jahre in einer Tabelle führen.
- Vertragslaufzeiten notieren und Erinnerungen für erwartete Neuausschreibungen setzen.
- Vorankündigungen nutzen, um Referenzen und Team frühzeitig vorzubereiten.
- Archivierte Publikationen vor dem Juli 2024 im Archiv der alten Plattform suchen.
simap aus Sicht der Vergabestellen
Auch für Vergabestellen ist simap mehr als ein Publikationsort. Vergabestellen stellen dort Ausschreibungen und Unterlagen bereit, beantworten Fragen und publizieren Zuschläge. Für Projektleitende in der Verwaltung heisst das: Die Ausschreibung eines Projekts erscheint in derselben Form wie alle anderen, mit Pflichtangaben zu Verfahren, Kriterien, Fristen und CPV-Codes. Wer die Plattform aus Anbietersicht kennt, schreibt verständlichere Ausschreibungen.
Ein interner Prozess für simap
Unternehmen, die regelmässig anbieten, profitieren von einem festen Ablauf. Er verhindert, dass Ausschreibungen untergehen oder Fristen verpasst werden:
- 1Täglich die Benachrichtigungen der Suchaufträge sichten und relevante Ausschreibungen markieren.
- 2Innert zwei Tagen eine Bid/No-Bid-Entscheidung treffen.
- 3Bei Teilnahme Unterlagen herunterladen, Fristen in den Kalender übertragen, Verantwortliche bestimmen.
- 4Fragen sammeln und vor der Fragefrist einreichen.
- 5Angebot erstellen, intern prüfen, fristgerecht eingeben.
- 6Zuschlag verfolgen und Ergebnis auswerten — auch wenn das Angebot nicht gewinnt.
Für die Planung solcher Abläufe eignet sich ein Projektboard mit einer Karte pro Ausschreibung und Fälligkeiten für jede Frist; die Checkliste Angebot auf öffentliche Ausschreibung hilft bei der Abgabekontrolle. Wie ein Angebot inhaltlich aufgebaut wird, zeigt das Kapitel Angebot erstellen; den Überblick bietet der Beschaffungs-Leitfaden.