Psychologie im Projekt
Conways Gesetz: Warum Systeme die Organisation abbilden, die sie baut
Für: Projektleiter, Architekten und Führungskräfte, die Teams für ein Vorhaben zusammenstellen.
Kurz erklärt
Conways Gesetz (Melvin Conway, 1968) besagt: Organisationen entwerfen Systeme, die die Kommunikationsstruktur der Organisation nachbilden. Drei Teams bauen ein System aus drei Teilen; Schnittstellen entstehen dort, wo Teams sich abstimmen müssen. Für Projekte heisst das: Die Aufteilung der Teams bestimmt die Struktur des Ergebnisses — also sollte man die Teams so schneiden, wie das Ergebnis aussehen soll.
Die Website hat drei Bereiche, die sich nicht wie eine Website anfühlen, sondern wie drei Abteilungen. Das Konzept hat vier Kapitel, die nicht zusammenpassen, weil vier Teams je eines geschrieben haben. Conways Gesetz ist keine Kritik, sondern eine Beobachtung: Was Menschen gemeinsam bauen, trägt die Spuren ihrer Zusammenarbeit.
Der Effekt
Melvin Conway formulierte 1968 in einem Aufsatz über Entwurfsprozesse: Jede Organisation, die ein System entwirft, erzeugt einen Entwurf, dessen Struktur eine Kopie ihrer Kommunikationsstruktur ist. Der Grund ist praktisch: Wo Menschen eng zusammenarbeiten, entstehen eng verbundene Teile; wo die Abstimmung schwierig ist, entstehen Schnittstellen. Spätere Untersuchungen in der Softwareentwicklung fanden den Zusammenhang wiederholt bestätigt.
Im Projekt
- Zwei Firmen teilen sich ein Projekt — die Schnittstelle liegt genau an der Firmengrenze, ob sinnvoll oder nicht
- Jeder Fachbereich liefert sein Kapitel, der Bericht hat keinen roten Faden
- Ein Team für Frontend, eines für Backend: Jede Änderung braucht beide
- Die Organisation wird umgebaut, das System nicht — die alte Struktur bleibt im Ergebnis sichtbar
Was hilft
- Teams nach dem gewünschten Ergebnis schneiden, nicht nach Abteilungen («umgekehrtes Conway-Manöver»)
- Schnittstellen dort planen, wo Teams sich ohnehin abstimmen
- Querschnittsthemen eine verantwortliche Person geben, die über Teamgrenzen hinweg koordiniert
- Kommunikationswege sichtbar machen: Wer muss mit wem sprechen, damit das Ergebnis zusammenpasst?
- Bei gemischten Organisationen (Kunde, Lieferant): gemeinsame Arbeitsräume und Werkzeuge
Häufige Fragen
Gilt Conways Gesetz auch ausserhalb der IT?
Ja. Berichte, Konzepte, Produkte und Dienstleistungen tragen die Struktur der Teams, die sie erstellen. Besonders sichtbar ist es bei Kundenerlebnissen, die zwischen Abteilungen «brechen».
Was ist das umgekehrte Conway-Manöver?
Man legt zuerst die gewünschte Architektur fest und stellt dann die Teams so zusammen, dass ihre Zusammenarbeit diese Architektur hervorbringt. Die Organisation folgt dem Ergebnis statt umgekehrt.
Hilft ein gemeinsames Werkzeug?
Es senkt die Hürde, über Teamgrenzen hinweg zu kommunizieren. Gegen eine unpassende Teamstruktur hilft es allein nicht, aber es macht Abhängigkeiten sichtbar, bevor sie zu Schnittstellenproblemen werden.
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