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Psychologie im Projekt

Selbstwertdienliche Verzerrung: Erfolge sind meine, Misserfolge die der Umstände

Für: Projektleiter, Teams und PMO, die aus Projekten wirklich lernen wollen.

Kurz erklärt

Die selbstwertdienliche Verzerrung beschreibt die Neigung, Erfolge den eigenen Fähigkeiten und Misserfolge äusseren Umständen zuzuschreiben. Miller und Ross fassten die Forschung dazu 1975 zusammen. Im Projekt verzerrt der Effekt Lessons Learned: Gelungenes gilt als Verdienst des Teams, Verspätungen als Schuld des Kunden oder Lieferanten – und das eigene Vorgehen bleibt unverändert.

Nach einem erfolgreichen Projekt sprechen alle von guter Planung und starkem Team. Nach einem gescheiterten von unklaren Anforderungen und schwierigen Kunden. Beides kann stimmen – aber selten so einseitig. Die selbstwertdienliche Verzerrung erklärt, warum Auswertungen oft weniger lehrreich sind, als sie sein könnten.

Was die Forschung zeigt

Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen positive Ergebnisse eher sich selbst und negative eher der Situation zuschreiben. Dale Miller und Michael Ross ordneten die Befunde 1975 ein und diskutierten auch, wie weit motivationale und rein kognitive Erklärungen beitragen. Der Effekt schützt das Selbstwertgefühl – auf Kosten einer realistischen Einschätzung.

Folgen im Projekt

Typische Muster:

  • Lessons Learned enthalten vor allem externe Ursachen für Probleme
  • Erfolgreiche Projekte werden nicht ausgewertet, weil «alles gut lief»
  • Statusberichte erklären Abweichungen mit äusseren Faktoren
  • Teams überschätzen ihren Anteil an gemeinsamen Erfolgen

Ehrlicher auswerten

Eine einfache Struktur hilft: Für jedes Ereignis wird gefragt, welcher Anteil im eigenen Einflussbereich lag – auch bei externen Ursachen. Wenn ein Kunde spät entschieden hat: Haben wir Entscheide früh genug eingefordert? Wenn ein Projekt gelang: Welcher Anteil war Glück? Eine neutrale Moderation und eine Kultur ohne Schuldzuweisung machen diese Fragen möglich.

Häufige Fragen

Was ist der Self-Serving Bias?

Die Neigung, Erfolge sich selbst und Misserfolge den Umständen zuzuschreiben. Er schützt das Selbstbild, verzerrt aber die Einschätzung.

Wie unterscheidet sich der Effekt vom Attributionsfehler?

Der fundamentale Attributionsfehler betrifft die Beurteilung anderer Menschen. Die selbstwertdienliche Verzerrung betrifft die Beurteilung eigener Erfolge und Misserfolge.

Wie mache ich Lessons Learned ehrlicher?

Mit einer neutralen Moderation, der Frage nach dem eigenen Einflussbereich bei jeder Ursache und der Auswertung auch erfolgreicher Projekte.

Vom Werkzeug zur Praxis

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