Was die Ausführungsplanung leistet
Die Ausführungsplanung übersetzt den genehmigten Entwurf in Pläne, nach denen gebaut werden kann. Wie alle Leistungsphasen ist sie Teil eines Leistungsbilds der HOAI, deren Honorartafeln seit 2021 Orientierungswerte sind.[3] Sie ist die Phase mit dem höchsten Planungsaufwand: Bei Gebäuden entfallen 25 Prozent der Grundleistungen auf sie, bei Innenräumen sogar 30 Prozent.[1] Nur die Objektüberwachung ist bei Gebäuden höher bewertet.
Für das Projekt entscheidet die Qualität der Ausführungsplanung über die Qualität der Ausschreibung, die Zahl der Nachträge und den reibungslosen Bauablauf. Fehlende oder späte Pläne gehören zu den häufigsten Ursachen für Behinderungsanzeigen und Mehrkosten auf der Baustelle.
Welche Grundleistungen gehören dazu?
Anlage 10 zur HOAI nennt für die Leistungsphase 5 insbesondere folgende Grundleistungen:[2]
| Grundleistung | Praxis |
|---|---|
| Erarbeiten der Ausführungsplanung mit allen für die Ausführung notwendigen Einzelangaben (zeichnerisch und textlich) bis zur ausführungsreifen Lösung | Grundlage für Ausschreibung und Bau |
| Ausführungs-, Detail- und Konstruktionszeichnungen nach Art und Größe des Objekts, bei Gebäuden zum Beispiel im Maßstab 1:50 bis 1:1 | Werkpläne, Details, Konstruktionszeichnungen |
| Bereitstellen der Arbeitsergebnisse für die anderen fachlich Beteiligten sowie Koordination und Integration von deren Leistungen | Abgestimmte Gesamtplanung |
| Fortschreiben des Terminplans | Aktueller Plan für Vergabe und Ausführung |
| Fortschreiben der Ausführungsplanung aufgrund der gewerkeorientierten Bearbeitung während der Objektausführung | Anpassung an Vergabeergebnisse und Baustelle |
| Überprüfen erforderlicher Montagepläne der vom Objektplaner geplanten Baukonstruktionen auf Übereinstimmung mit der Ausführungsplanung | Qualitätssicherung der Unternehmerplanung |
Wie detailliert muss die Planung sein?
Fehlt eine solche Konkretisierung, entsteht leicht Streit darüber, ob ein bestimmtes Detail zur Grundleistung gehört oder zusätzlich zu vergüten ist. Eine Planliste schafft hier Klarheit für beide Seiten.
Die HOAI verlangt alle für die Ausführung notwendigen Einzelangaben bis zur ausführungsreifen Lösung.[2] Was das im Einzelfall heißt, hängt vom Objekt ab: Ein einfacher Gewerbebau braucht weniger Details als ein Gebäude mit komplexer Fassade oder Sichtbeton. Bewährt hat sich, den erwarteten Planungsumfang vertraglich zu konkretisieren, etwa mit einer Planliste nach Gewerken und Maßstäben, und die Lieferung der Pläne terminlich an den Vergabe- und Bauablauf zu koppeln.
| Planart | Maßstab (Beispiel) | Zweck |
|---|---|---|
| Werkpläne Grundrisse, Schnitte, Ansichten | 1:50 | Grundlage aller Gewerke |
| Detailpläne | 1:20 bis 1:5 | Anschlüsse, Fassade, Ausbau |
| Konstruktionszeichnungen | bis 1:1 | Sonderbauteile, Einbauten |
| Textliche Angaben | — | Materialien, Qualitäten, Ausführungsvorgaben |
Koordination der Fachplanung
Für die Bauherrschaft ist wichtig zu wissen, dass sie selbst für die rechtzeitige Beauftragung aller Fachplaner verantwortlich ist. Der Objektplaner kann nur koordinieren, was beauftragt ist. Fehlt etwa die Fachplanung für eine Sprinkleranlage, kann die Ausführungsplanung nicht vollständig sein.
Die Koordination und Integration der Leistungen anderer fachlich Beteiligter ist ausdrücklich Teil der Grundleistung.[2] Der Objektplaner führt die Planung von Tragwerk, technischer Gebäudeausrüstung und weiteren Fachgebieten zusammen. Das umfasst etwa Schlitz- und Durchbruchsplanung, die Abstimmung von Leitungsführungen und die Integration der Technik in den Ausbau. In Projekten mit BIM erfolgt diese Koordination häufig über Modellprüfungen; die HOAI selbst kennt BIM nicht als eigenes Leistungsbild, weshalb BIM-spezifische Leistungen gesondert vereinbart werden sollten.
Fortschreiben während der Ausführung
Für die Abgrenzung im Streitfall hilft eine saubere Dokumentation: Welche Planänderung beruht auf Vergabeergebnissen oder Baustellenbedingungen, welche auf einem Wunsch der Bauherrschaft? Wer das bei jeder Planrevision im Planstempel festhält, kann später ohne lange Diskussion zeigen, welche Leistungen zusätzlich zu vergüten sind.
Die Ausführungsplanung ist mit dem Beginn der Bauarbeiten nicht abgeschlossen. Zur Grundleistung gehört das Fortschreiben aufgrund der gewerkeorientierten Bearbeitung während der Objektausführung.[2] Das bedeutet zum Beispiel, Pläne an die Produkte und Systeme anzupassen, die nach der Vergabe tatsächlich eingebaut werden. Davon zu unterscheiden sind Änderungen auf Wunsch der Bauherrschaft, die über das Fortschreiben hinausgehen und als geänderte Leistung zu vergüten sind.
Ausführungsplanung durch den Unternehmer
Für die Bauherrschaft bedeutet eine Ausschreibung mit Leistungsprogramm weniger eigene Planungstiefe, aber auch weniger Einfluss auf Details. Die Qualität hängt dann stark davon ab, wie präzise die Objektbeschreibung die Anforderungen festlegt und wie sorgfältig die Unternehmerplanung geprüft wird.
Nicht immer erstellt der Objektplaner die gesamte Ausführungsplanung. Bei einer Ausschreibung mit Leistungsprogramm — etwa an einen Generalunternehmer — übernimmt der Unternehmer Teile der Planung. Der Objektplaner erstellt dann eine detaillierte Objektbeschreibung und prüft die Pläne des Unternehmers. Solche Leistungen sind in der HOAI als Besondere Leistungen beschrieben und entsprechend zu vereinbaren; gleichzeitig entfallen Teile der Grundleistungen. Diese Verschiebung sollte sich im Honorar widerspiegeln, wie das Kapitel Grundleistungen und Besondere Leistungen beschreibt.
LPH 5 im Projektmanagement
Ein Vorteil der klaren Phasengrenze: Abschlagsrechnungen des Planers lassen sich an den Planlieferstand koppeln.
| Aufgabe | Hinweis |
|---|---|
| Planlieferterminplan aufstellen | Pläne nach Gewerken in der Reihenfolge der Vergabe und Ausführung |
| Planfreigaben organisieren | Wer gibt welche Pläne frei, in welcher Frist? |
| Planungsbesprechungen mit Fachplanern | Regelmäßig, mit Protokoll und Aufgabenliste |
| Änderungen erfassen | Jede Änderung mit Ursache, Kosten- und Terminfolgen |
| Planstände verwalten | Eindeutige Indizes, zentrale Planablage |
Die Ausführungsplanung überlappt in der Praxis mit der Vergabe: Für frühe Gewerke wie Rohbau muss sie abgeschlossen sein, während für den Ausbau noch geplant wird. Ein Planlieferterminplan, der diese Überlappung abbildet, ist deshalb ein zentrales Steuerungsinstrument. Wie er in den Gesamtplan eingebettet wird, zeigt das Kapitel Bauzeitenplan.
Risiken und wie man sie begrenzt
Eine einfache Kennzahl hilft bei der Steuerung: der Anteil der Pläne, die zum geplanten Termin freigegeben wurden. Sinkt er, zeichnen sich Verzögerungen in Vergabe und Ausführung ab, lange bevor sie auf der Baustelle sichtbar werden.
| Risiko | Folge | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Pläne kommen zu spät | Behinderungsanzeigen, Bauzeitverlängerung | Planlieferterminplan, frühzeitige Steuerung |
| Unvollständige Planung | Unklare Ausschreibung, Nachträge | Planprüfung vor der Vergabe |
| Fehlende Koordination | Kollisionen auf der Baustelle | Koordinationsbesprechungen, Modellprüfung |
| Späte Änderungswünsche | Umplanung, Mehrkosten | Änderungsverfahren mit Kosten- und Terminbewertung |
Den Planlieferterminplan aufbauen
Der Planlieferterminplan verbindet die Ausführungsplanung mit Vergabe und Ausführung. Er legt für jedes Gewerk fest, bis wann welche Pläne vorliegen müssen — für die Ausschreibung und, später, für die Ausführung. Weil Planung, Vergabe und Bau in dieser Phase parallel laufen, ist er eines der wichtigsten Steuerungsinstrumente überhaupt.
| Gewerk | Pläne für die Ausschreibung bis | Pläne für die Ausführung bis |
|---|---|---|
| Rohbau | Zwölf Wochen vor Baubeginn | Vier Wochen vor Baubeginn |
| Fenster und Fassade | Vier Monate vor Montage | Zwei Monate vor Montage |
| Technische Gebäudeausrüstung | Parallel zum Rohbau | Vor Beginn der Rohinstallation |
| Innenausbau | Während des Rohbaus | Vor Beginn des Ausbaus |
Die Vorlaufzeiten sind fiktive Beispiele; sie hängen von Vergabeverfahren, Lieferzeiten und Bauablauf ab. Wichtig ist der Grundsatz: Jeder Ausführungstermin hat einen Planliefertermin als Vorgänger. Für die Gesamtplanung beschreibt das Kapitel Bauzeitenplan den Aufbau.
Planfreigaben und Planstände
Mit der Ausführungsplanung entstehen viele Pläne in mehreren Ständen. Ohne klare Regeln für Freigaben und Planstände drohen Fehler auf der Baustelle, weil nach veralteten Plänen gebaut wird. Bewährt haben sich wenige, verbindliche Regeln:
- Jeder Plan erhält einen eindeutigen Index; Änderungen werden im Planstempel beschrieben.
- Freigaben erfolgen schriftlich durch die festgelegte Stelle, mit Frist.
- Nur freigegebene Pläne werden an die Unternehmen verteilt.
- Eine zentrale Planablage zeigt den jeweils gültigen Stand.
- Planverteilung wird dokumentiert, damit nachvollziehbar ist, wer welchen Stand erhalten hat.
Diese Organisation ist Teil der Koordination, die die HOAI dem Objektplaner zuweist.[2] Bei großen Projekten wird sie häufig durch eine Projektsteuerung unterstützt, wie das Kapitel Projektsteuerung nach AHO beschreibt.
Qualität der Ausführungsplanung sichern
| Prüfpunkt | Frage |
|---|---|
| Vollständigkeit | Liegen alle Pläne der Planliste in der geforderten Tiefe vor? |
| Koordination | Sind Durchbrüche, Leitungen und Tragwerk abgestimmt? |
| Übereinstimmung | Entspricht die Planung der Genehmigung und den Auflagen? |
| Kosten | Bleibt die Planung im Rahmen der Kostenberechnung? |
| Ausschreibbarkeit | Lassen sich aus den Plänen eindeutige Leistungsverzeichnisse ableiten? |
Eine solche Prüfung kann der Objektplaner intern durchführen oder die Bauherrschaft durch eine Projektsteuerung oder einen externen Prüfer vornehmen lassen. Sie kostet Zeit, spart aber ein Vielfaches an Nachträgen und Verzögerungen in der Ausführung.
Schnittstelle zur Vergabe
Die Ausführungsplanung ist die Grundlage für die Leistungsverzeichnisse der Vergabe. Mengen werden auf ihrer Basis ermittelt; Lücken in der Planung führen direkt zu Lücken in der Ausschreibung. Wie die Vergabe vorbereitet und durchgeführt wird, beschreibt das Kapitel LPH 6 und 7. Den Überblick bietet der HOAI-Leitfaden; Planänderungen lassen sich über einen Change Request steuern.