Was war SIA 2051?
Das Merkblatt SIA 2051 «Building Information Modelling (BIM) – Grundlagen zur Anwendung der BIM-Methode» erschien 2017 und war ab dem 1. Dezember 2017 gültig.[1] Es beschrieb die Anwendung der BIM-Methode im Kontext der Schweizer Planungs-, Bau- und Immobilienbranche: Begriffe, Rollen, Prozesse und die Organisation der Zusammenarbeit. Sein erklärtes Ziel war die Verständigung — eine gemeinsame Sprache für eine Methode, über die damals viel diskutiert, aber wenig einheitlich gesprochen wurde.
Begleitet wurde das Merkblatt von weiteren SIA-Dokumenten, etwa der Dokumentation SIA D 0270 «Anwendung der BIM-Methode – Leitfaden zur Verbesserung der Zusammenarbeit» von 2018. Sie hält fest, dass die Methode bei sinngemässer Anwendung Synergien im Projekt und in dessen Umfeld schafft und dass die fehlende Verständigung durch das Merkblatt abgedeckt wird.[2]
Warum wurde SIA 2051 zurückgezogen?
Der SIA hat das Merkblatt auf Ende 2024 zurückgezogen. Begründet wurde das damit, dass mit der Normenreihe SN EN ISO 19650 internationale Normen erarbeitet wurden, die das Merkblatt teilweise ersetzen.[3] Bereits beim Erscheinen war das Merkblatt mit den Entwicklungen bei ISO und CEN abgestimmt worden; ein Review war nach rund drei Jahren vorgesehen.
Für die Praxis hat der Rückzug zwei Folgen. Erstens sollten neue Verträge nicht mehr auf SIA 2051 als Grundlage verweisen, sondern auf die geltenden Normen und auf projektspezifische Anforderungen. Zweitens bleiben bestehende Verträge, die SIA 2051 referenzieren, gültig — massgebend ist, was vereinbart wurde. Wer heute ein Projekt übernimmt, das noch auf dem Merkblatt aufbaut, sollte die Begriffe mit den Projektbeteiligten abgleichen.
Welche Konzepte bleiben wichtig?
Viele Konzepte aus der Zeit von SIA 2051 sind in der Praxis geblieben, weil sie sich in der Logik der ISO-19650-Reihe wiederfinden. Die KBOB weist etwa darauf hin, dass ihre Informationsanforderungen des Auftraggebers (EIR, Exchange Information Requirements) dem entsprechen, was SIA 2051 als Informationsanforderungen Auftraggeber (IAG) bezeichnete.[4]
| Begriff in SIA 2051 | Heute verbreitet | Funktion |
|---|---|---|
| Informationsanforderungen Auftraggeber (IAG) | Exchange Information Requirements (EIR) | Was der Auftraggeber wann in welcher Form braucht |
| BIM-Projektabwicklungsplan | BIM Execution Plan (BEP) | Wie das Projektteam die Anforderungen umsetzt |
| Anwendungsfälle | Use Cases | Wozu die Modelle verwendet werden, etwa Mengenermittlung oder Koordination |
| Grundleistung und besonders zu vereinbarende Leistung | Leistungsabgrenzung im Vertrag | Welche BIM-Leistungen zusätzlich vergütet werden |
Die englischen Begriffe stammen aus der internationalen Praxis rund um die ISO-19650-Reihe; massgebend sind die Definitionen in den Normen und im jeweiligen Vertrag.
Der BIM-Projektabwicklungsplan
Ein Kernelement der Methode ist der BIM-Projektabwicklungsplan. In Präsentationen zum Merkblatt wurde er in Teilpläne gegliedert: Prozessplan, BIM-Nutzungsplan, BIM-Modellplan und BIM-Koordinationsplan.[1] Diese Gliederung ist eine nützliche Checkliste geblieben, auch wenn heute die Strukturen nach ISO 19650 verwendet werden.
| Teil | Klärt |
|---|---|
| Prozessplan | Abläufe, Übergaben und Prüfungen im Projekt |
| BIM-Nutzungsplan | Welche Anwendungsfälle das Projekt verfolgt |
| BIM-Modellplan | Welche Modelle es gibt, wer sie verantwortet, welcher Detaillierungsgrad wann gilt |
| BIM-Koordinationsplan | Wie Modelle zusammengeführt, geprüft und Konflikte gelöst werden |
Wer einen solchen Plan früh mit allen Beteiligten erstellt, vermeidet die häufigsten Probleme: Modelle, die nicht zusammenpassen, Daten, die niemand braucht, und Informationen, die am Ende fehlen.
BIM-Leistungen vertraglich abgrenzen
Eine zentrale Aussage des Merkblatts betraf die Vergütung: Grundleistungen und besonders zu vereinbarende Leistungen sind gesondert auszuweisen, und es gab Hinweise zur Entschädigung der neuen Rollenbilder, die durch die BIM-Methode entstehen.[1] Diese Logik passt zu den Leistungsordnungen des SIA, die Grundleistungen und besonders zu vereinbarende Leistungen ohnehin unterscheiden.
Die KBOB hat das in ihre Vorlagen übernommen. Ihr Dokument zur Anwendung der Methode BIM im Hochbau für Generalplaner behandelt die Anwendung der Methode als Teil der Grundleistungen gemäss den Ordnungen SIA 102, 103, 105 und 108 und beschreibt die Informationsanforderungen des Auftraggebers.[4] Für Bauherrschaften ist das eine praktische Grundlage, um BIM-Anforderungen in Ausschreibungen präzise zu formulieren. Wie die Leistungsordnungen aufgebaut sind, zeigt das Kapitel SIA 102.
Offene Datenformate
Für öffentliche Bauherren ist das auch eine Frage der Gleichbehandlung, weil proprietäre Formate Anbieter ausschliessen können.
Ein Grundsatz der modellbasierten Zusammenarbeit ist der Austausch über offene Formate. Das Datenaustauschmodell IFC (Industry Foundation Classes) ist seit Mai 2017 ins Schweizer Normenwerk integriert.[5] Offene Formate verhindern, dass ein Projekt von einer einzelnen Software abhängig wird, und erlauben, Modelle verschiedener Disziplinen zusammenzuführen. Für Bauherrschaften, die Daten über Jahrzehnte im Betrieb nutzen wollen, ist das besonders wichtig.
BIM und die SIA-Phasen
Der Nutzen eines Modells entsteht vor allem an den Übergängen zwischen den Teilphasen. Wenn das Bauprojekt als koordiniertes Modell vorliegt, lassen sich Mengen für die Ausschreibung direkt ableiten; wenn das Ausführungsprojekt im Modell geprüft wurde, sinkt das Risiko von Kollisionen auf der Baustelle. Voraussetzung ist, dass die Informationsanforderungen festlegen, welcher Detaillierungsgrad wann vorliegen muss.
Die BIM-Methode ändert nicht die Phasen eines Bauprojekts, wohl aber, wie Informationen zwischen ihnen übergeben werden. Typische Anwendungsfälle lassen sich den Teilphasen nach SIA 112 zuordnen:
| Teilphase | Typischer Anwendungsfall |
|---|---|
| 21 Definition des Vorhabens | Bestandsmodell, Volumenstudien |
| 31 Vorprojekt | Variantenvergleich, frühe Kostenplanung nach Bauteilen |
| 32 Bauprojekt | Koordination der Fachmodelle, Mengenermittlung, Kostenvoranschlag |
| 41 Ausschreibung | Modellbasierte Mengen für Leistungsverzeichnisse |
| 51 Ausführungsprojekt | Kollisionsprüfung, Werkplanung |
| 53 Inbetriebnahme, Abschluss | Übergabe eines Modells mit Betriebsdaten |
Die Zuordnung zeigt typische Schwerpunkte; welche Anwendungsfälle ein Projekt verfolgt, legen Informationsanforderungen und Abwicklungsplan fest. Die Teilphasen erklärt das Kapitel SIA 112, die modellbasierte Mengenermittlung für Ausschreibungen das Kapitel Ausschreibung mit NPK.
Welche Rollen gibt es in BIM-Projekten?
Schon das Merkblatt SIA 2051 wies darauf hin, dass die BIM-Methode neue Rollenbilder auslöst, und gab Hinweise zu deren Entschädigung.[1] In der Praxis haben sich Rollen etabliert, die das Informationsmanagement organisieren: auf Seite der Bauherrschaft eine Stelle, die Informationsanforderungen formuliert und Lieferungen prüft; im Planungsteam eine Gesamtkoordination der Modelle; in jeder Disziplin Verantwortliche für die eigenen Fachmodelle. Die Bezeichnungen variieren, wichtig ist die klare Zuordnung: Wer definiert Anforderungen, wer koordiniert, wer liefert, wer prüft?
Was haben Bauherrschaften von BIM?
Für Bauherrschaften liegt der Nutzen nicht im Modell selbst, sondern in den Entscheiden, die es ermöglicht: Varianten lassen sich früher vergleichen, Mengen und Kosten genauer ermitteln, Kollisionen vor dem Bau erkennen. Den grössten langfristigen Nutzen bringt ein Modell mit Betriebsdaten, das nach der Übergabe im Facility-Management weiterverwendet wird. Dieser Nutzen entsteht aber nur, wenn die Bauherrschaft ihn in den Informationsanforderungen verlangt — ein Modell, das niemand bestellt hat, wird selten in einer Form übergeben, die der Betrieb brauchen kann.
Häufige Fehler bei BIM-Aufträgen
- BIM verlangen, ohne Anwendungsfälle zu definieren.
- Informationsanforderungen aus einem anderen Projekt kopieren, ohne sie anzupassen.
- BIM-Leistungen nicht abgrenzen, sodass später über Zusatzvergütungen gestritten wird.
- Proprietäre Formate akzeptieren, die eine spätere Nutzung erschweren.
- Die Übergabe für den Betrieb erst am Projektende thematisieren.
Wie Bauprojekte mit Flenio organisiert werden, zeigt der Anwendungsfall Projektmanagement im Bauwesen.
BIM auch in kleinen Projekten?
Ein schrittweiser Einstieg über ein Pilotprojekt hilft, Erfahrungen zu sammeln.
BIM wird oft mit Grossprojekten verbunden, ist aber auch für kleinere Vorhaben nützlich — wenn der Umfang passt. Statt umfassender Informationsanforderungen genügen dann wenige, klar definierte Anwendungsfälle, etwa ein Bestandsmodell, die Koordination von Tragwerk und Gebäudetechnik oder modellbasierte Mengen für die Ausschreibung. Entscheidend ist, dass Aufwand und Nutzen im Verhältnis stehen und die Beteiligten die nötigen Werkzeuge und Kompetenzen haben.
BIM-Aufträge heute formulieren
- 1Ziele und Anwendungsfälle festlegen: Wozu sollen die Modelle dienen — Koordination, Mengen, Betrieb?
- 2Informationsanforderungen des Auftraggebers formulieren, etwa auf Basis der KBOB-Vorlage.
- 3Den BIM-Projektabwicklungsplan mit allen Beteiligten zu Projektbeginn erstellen.
- 4BIM-Leistungen als Grund- oder Zusatzleistungen im Vertrag abgrenzen.
- 5Offene Formate wie IFC für den Austausch verlangen.
- 6Verweise auf SIA 2051 in eigenen Vorlagen durch die geltenden Grundlagen ersetzen.
- 7Übergabe der Modelle für den Betrieb in der Teilphase 53 planen.
Wie Bauprojekte organisiert werden, beschreibt das Kapitel Projektorganisation im Bau; den Überblick bietet der SIA-Leitfaden.