Was ist der NPK?
Der Normpositionen-Katalog NPK ist ein konsequent strukturiertes Gesamtwerk standardisierter Leistungsbeschreibungen für das Bauwesen, das seit fast 60 Jahren laufend weiterentwickelt wird.[2] Herausgeberin ist die CRB, die sich als Kompetenzzentrum für Standards in der Bau- und Immobilienwirtschaft versteht. Laut CRB bildet der NPK die Grundlage für standardisierte und rechtssichere Leistungsbeschreibungen; er umfasst rund 200 Kapitel mit über 1,3 Millionen Normpositionen in drei Sprachen und wird in enger Zusammenarbeit mit rund 70 Fachverbänden gepflegt.[1]
Für Planende ist der NPK das Werkzeug der Teilphase 41. Statt Leistungen frei zu formulieren, setzen sie Leistungsverzeichnisse aus Normpositionen zusammen. Das macht Angebote vergleichbar, verringert Interpretationsspielraum und erlaubt den Datenaustausch zwischen Planenden, Unternehmern und Bauherrschaft. Die Teilphase im Kontext beschreibt das Kapitel SIA 112.
Wie ist der NPK aufgebaut?
Der NPK ist in Kapitel nach Arbeitsgattungen gegliedert — etwa Baumeisterarbeiten, Gebäudetechnik, Garten- und Landschaftsbau oder Spezialgebiete wie Rohrvortrieb und Spannsysteme. Jedes Kapitel enthält Normpositionen, die zu einem Leistungsverzeichnis kombiniert werden. Einige Kapitel haben übergreifende Funktion: Das Kapitel 102 «Besondere Bestimmungen» enthält etwa einen Abschnitt zu Ausschreibung, Eignungs- und Zuschlagskriterien und Beilagen zum Angebot.[4]
| Kapitel | Inhalt | Bemerkung |
|---|---|---|
| 102 | Besondere Bestimmungen | Unter anderem Ausschreibung, Eignungs- und Zuschlagskriterien, Beilagen |
| 103 | Kostengrundlagen | Erster Teil des Leistungsverzeichnisses |
| 113 | Baustelleneinrichtung | Von der KBOB im Zusammenhang mit Kostenumlagerungen erwähnt |
| 152 | Rohrvortrieb | Beispiel für Ausgaben 1989, 2000 und 2020 |
| 181 | Garten- und Landschaftsbau | Für Freiraumprojekte |
| 184 | Pflege von Grün- und Freiflächen | Pflegeleistungen nach der Bauphase |
| 246 | Spannsysteme | Spezialgebiet im Ingenieurbau |
Quellen: CRB-Merkblatt zum Devisieren[3], KBOB-Empfehlung zu Kostenumlagerungen[6], JardinSuisse[7] und NPK 246.[4] Die Bezeichnung des Kapitels 113 als Baustelleneinrichtung entspricht der üblichen Verwendung; massgebend ist der aktuelle Katalog.
Wie ist ein Leistungsverzeichnis aufgebaut?
Laut CRB lässt sich ein Leistungsverzeichnis in drei Teile gliedern; die ersten beiden sind die Kostengrundlagen nach NPK-Kapitel 103 und das Leistungsverzeichnis der Arbeitsgattungen aus verschiedenen NPK-Kapiteln. Grosse oder komplexe Bauvorhaben können für die Ausschreibung in einzelne Objekte aufgeteilt und gesondert bearbeitet werden.[3]
In der Praxis enthält ein Ausschreibungsdossier neben dem Leistungsverzeichnis weitere Unterlagen: Pläne, technische Beschriebe, Vertragsbedingungen und die besonderen Bestimmungen des Projekts. Der NPK sieht vor, dass die vom Bauherrn mit dem Leistungsverzeichnis abzugebenden Informationen, Unterlagen, Pläne und Listen im Kapitel 102 festgehalten werden.[4]
Ausgaben, Versionen und Nachführungen
Der NPK wird laufend angepasst, um mit Normen und Bautechnik Schritt zu halten. Jedes Kapitel trägt deshalb ein Ausgabejahr und ein Versionsjahr; Nachführungen ändern oder löschen einzelne Positionen zwischen den Neuausgaben. Das Kapitel 152 «Rohrvortrieb» erschien etwa erstmals 1989 und wurde 2000 und 2020 neu ausgegeben.[3]
Entscheidend ist eine Regel: Alle Beteiligten sollen mit demselben Ausgabe- und Versionsjahr arbeiten.[3] Arbeitet die Planung mit einer anderen Version als der Unternehmer, können Positionen fehlen oder anders lauten, und der Datenaustausch wird fehleranfällig. Die verwendete Version gehört deshalb in die Ausschreibungsunterlagen.
Wie hängen NPK und SIA 118 zusammen?
Diese Verweise zeigen, wie eng Leistungsbeschreibung und Vertragsbedingungen verzahnt sind: Wer das Leistungsverzeichnis schreibt, gestaltet faktisch auch einen Teil des Werkvertrags.
Viele NPK-Kapitel verweisen direkt auf die SIA-Norm 118. So sind Lieferungen nach SIA 118 Art. 10 inbegriffen, sofern in den Allgemeinen Bedingungen Bau oder im Leistungsverzeichnis nichts Abweichendes formuliert ist; Nebenleistungen nach SIA 118 Art. 39 sind im Werkpreis inbegriffen, sofern nichts Abweichendes vereinbart ist.[5]
Für Ausschreibende heisst das: Wer vom Standard abweichen will, muss es ausdrücklich formulieren. Wer etwa Lieferungen oder Nebenleistungen separat ausschreiben will, muss das in den besonderen Bestimmungen oder im Leistungsverzeichnis festhalten. Die Norm SIA 118 selbst beschreibt das Kapitel SIA 118.
Kostenumlagerungen vermeiden
Ein bekanntes Problem in Angeboten sind Kostenumlagerungen: Unternehmer verschieben Kosten zwischen Positionen, etwa um bei Mengenänderungen zu profitieren. Die KBOB hat dazu eine Empfehlung für Arbeiten im Bauhauptgewerbe veröffentlicht. Werden die Leistungen mit dem NPK ausgeschrieben, empfiehlt sie, das NPK-Kapitel 113 mit einem Mustertext zu ergänzen, wonach bestimmte Kosten in die Einheitspreise der Leistungsverzeichnisse der betreffenden NPK einzurechnen sind und dort vergütet werden. Für Ausschreibungen ohne NPK enthält die Empfehlung eine eigene Regelung.[6]
NPK, BKP und eBKP-H
Neben dem NPK gibt die CRB die Baukostenpläne heraus. Mit ihnen lassen sich die Kosten eines Bauprojekts entweder nach Arbeitsgattungen (BKP) oder nach Bauteilen (eBKP-H für den Hochbau und eBKP-T für den Tiefbau) gliedern.[1] Der NPK unterstützt beide Gliederungen.[2]
| Gliederung | Ordnet nach | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| NPK | Leistungspositionen je Arbeitsgattung | Ausschreibung, Angebot, Abrechnung |
| BKP | Arbeitsgattungen | Kostenvoranschlag und Kostenkontrolle nach Gewerken |
| eBKP-H, eBKP-T | Bauteilen | Kostenplanung in frühen Phasen, Kennwerte, BIM-Mengen |
In frühen Phasen arbeitet die Kostenplanung oft nach Bauteilen, weil Mengen und Elemente bekannt sind, die Ausführungsdetails aber noch nicht. Mit der Ausschreibung wechselt die Sicht zu Leistungspositionen. Eine saubere Verknüpfung beider Sichten erleichtert den Vergleich zwischen Kostenvoranschlag und Angeboten.
Wie wird mit dem NPK gearbeitet?
Für kleinere Büros, die nur gelegentlich ausschreiben, kann der NPK-Editor ein Einstieg sein; wer regelmässig devisiert, profitiert von einem integrierten Bauadministrationsprogramm, das Leistungsverzeichnis, Angebotsvergleich, Werkverträge und Abrechnung verbindet. Wichtig ist in beiden Fällen, dass die Daten im standardisierten Austauschformat weitergegeben werden können, damit Unternehmer sie ohne Medienbruch übernehmen.
Der NPK wird in der Regel als Datennutzungslizenz in Kombination mit einem von der CRB zertifizierten Bauadministrationsprogramm verwendet. Daneben gibt es Webanwendungen: Mit dem NPK-Editor lassen sich Leistungsverzeichnisse öffnen, lesen und mit Preisen ergänzen, mit dem NPK-Viewer der gesamte Katalog online lesen. Einzelne Kapitel sind auch in Papierform erhältlich.[2]
Laut CRB gibt es rund 40 zertifizierte Software-Partner.[1] Für Unternehmer bedeutet das, dass sie Leistungsverzeichnisse elektronisch übernehmen, mit Preisen ergänzen und zurückgeben können, ohne Positionen abzutippen. Für die Planung bedeutet es, dass Angebote automatisch verglichen werden können.
Ein Leistungsverzeichnis vor dem Versand prüfen
Idealerweise prüft eine Person, die das Leistungsverzeichnis nicht selbst erstellt hat — ein Vier-Augen-Prinzip, das sich mit wenig Aufwand organisieren lässt.
Fehler im Leistungsverzeichnis werden teuer, weil sie in jedes Angebot und später in jede Abrechnung übernommen werden. Eine Prüfung vor dem Versand lohnt sich deshalb immer. Bewährt haben sich einige Prüffragen:
- Sind alle Leistungen aus Plänen und Beschrieben im Leistungsverzeichnis enthalten — und nichts doppelt?
- Stimmen die Mengen mit den Plänen überein, und ist nachvollziehbar, wie sie ermittelt wurden?
- Sind Abweichungen von den Standardregeln, etwa zu Lieferungen und Nebenleistungen, ausdrücklich formuliert?
- Passen Ausgabe- und Versionsjahr der Kapitel zueinander und zu den Unterlagen?
- Sind Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie die Beilagen zum Angebot vollständig angegeben?
Angebote vergleichen
Weil alle Anbieter dieselben Positionen bepreisen, lassen sich NPK-Angebote Position für Position vergleichen. Auffällig tiefe oder hohe Einheitspreise bei einzelnen Positionen sind ein Hinweis auf Kalkulationsfehler, missverstandene Leistungen oder Spekulation auf Mengenänderungen. Gerade für letzteres hat die KBOB ihre Empfehlung zu Kostenumlagerungen veröffentlicht.[6] Die Planenden halten das Ergebnis des Vergleichs im Offertvergleich fest und begründen den Vergabeantrag an die Bauherrschaft, die den Zuschlag erteilt.
Häufige Fehler beim Devisieren
- Positionen aus alten Projekten übernehmen, ohne die NPK-Version zu prüfen.
- Mengen grob schätzen statt aus Plänen ermitteln — Mengenabweichungen laden zu Spekulation ein.
- Besondere Bestimmungen unvollständig ausfüllen, sodass Bieter Annahmen treffen müssen.
- Leistungen ausserhalb des NPK frei formulieren, ohne sie klar abzugrenzen.
- Den Offertvergleich auf den Gesamtpreis reduzieren und auffällige Einheitspreise übersehen.
Praxistipps für die Teilphase 41
- 1Ausgabe- und Versionsjahr der verwendeten NPK-Kapitel festlegen und in den Unterlagen angeben.
- 2Besondere Bestimmungen im Kapitel 102 vollständig ausfüllen, inklusive Eignungs- und Zuschlagskriterien.
- 3Abweichungen von den Standardregeln, etwa zu Lieferungen und Nebenleistungen, ausdrücklich formulieren.
- 4Bei Bedarf die KBOB-Empfehlung zu Kostenumlagerungen umsetzen.
- 5Das Leistungsverzeichnis bei grossen Projekten nach Objekten gliedern.
- 6Angebote elektronisch übernehmen und strukturiert vergleichen; Auffälligkeiten bei Einheitspreisen hinterfragen.
Für die Vorbereitung von Ausschreibungen steht in Flenio die Vorlage Submissions-Vorlage Bau bereit. Für Unternehmen, die selbst anbieten, hilft die Checkliste Angebot auf öffentliche Ausschreibung. Den Überblick bietet der SIA-Leitfaden.