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Kapitel im Leitfaden HERMES 2022

HERMES-Module: Die zwölf Standardmodule und ihre Ergebnisse

Von Leutrim MiftarajHERMES 5.1 Foundation · PMP · IREB CPREStand: 23. Oktober 20267 Minuten Lesezeit

Kurz erklärt

HERMES-Module sind wiederverwendbare, den Phasen zugeordnete Bausteine aus thematisch zusammengehörenden Aufgaben und Ergebnissen. HERMES 2022 bietet zwölf Standardmodule, von Projektsteuerung und Projektführung bis zu Tests, IT-Migration, IT-Betrieb und ISDS. Vier Module sind in jedem Projekt Pflicht: Projektsteuerung, Projektführung, Projektgrundlagen und Einführungsorganisation.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Modul bündelt Aufgaben und die daraus entstehenden Ergebnisse zu einem Thema.
  • Projektsteuerung und Projektführung begleiten alle Phasen, Projektgrundlagen nur die Initialisierung.
  • Die vier Pflichtmodule sichern die Projekt-Governance in jedem Projekt.
  • Eigene Module für Themen wie Kommunikation oder Rechtsetzung sind ausdrücklich vorgesehen.

Was ist ein HERMES-Modul?

Module sind wiederverwendbare, den Phasen zugeordnete Bausteine zur Erstellung von Projekten und Szenarien. Thematisch zusammengehörende Ergebnisse und die mit ihnen verknüpften Aufgaben bilden ein Modul.[1] Ein Szenario besteht aus mehreren Modulen oder Teilen davon; dasselbe Modul kann in mehreren Szenarien vorkommen.

Jede Modulbeschreibung ist gleich aufgebaut: Zweck, «Was ist zu tun» und eine Tabelle der Aufgaben mit den daraus entstehenden Ergebnissen je Phase.[2] Wer ein HERMES-Projekt plant, findet deshalb in den Modulen die eigentliche Arbeitsliste — die Phasen sagen wann, die Module was. Welche Module ein Projekt nutzt, legt das gewählte Szenario fest.

Welche Module sind Pflicht?

Damit die Projekt-Governance eingehalten werden kann, müssen vier Module in jedem Projekt vorkommen:[1]

  • Projektsteuerung: gesamthafte, organisationsübergreifende Steuerung und Zielerreichung.
  • Projektführung: Planung, Führung und Koordination des Projekts.
  • Projektgrundlagen: fundierte Ausgangslage in der Initialisierung.
  • Einführungsorganisation: Schulung, Einführung und Übergang in den neuen Zustand.

Die übrigen acht Module kommen je nach Szenario und Tailoring hinzu. Ist ein Modul für das Projekt nicht relevant, entfallen auch seine minimal geforderten Dokumente.

Die zwölf Standardmodule im Überblick

HERMES-Standardmodule mit Ebene, Einsatz und Kernergebnissen
ModulEbeneEinsatzKernergebnisse (Auswahl)
ProjektsteuerungSteuerungAlle PhasenProjektinitialisierungsauftrag, Durchführungsauftrag, QS- und Risikobericht, Liste Projektentscheide Steuerung
ProjektführungFührungAlle PhasenProjektmanagementplan, Projektstatusbericht, Phasenbericht, Änderungsantrag, Stakeholderliste
ProjektgrundlagenAusführungInitialisierungStudie, Rechtsgrundlagenanalyse, Schutzbedarfsanalyse, Beschaffungsanalyse
BeschaffungAusführungKonzept oder UmsetzungAusschreibungsunterlagen, Evaluationsbericht, Vereinbarung
OrganisationAusführungLösungsentstehungOrganisationsanforderungen, Organisationskonzept, Prozessbeschreibung
ProduktAusführungLösungsentstehungProduktkonzept, Lösungsanforderungen, Detailspezifikation
IT-SystemAusführungLösungsentstehungLösungsarchitektur, Systemkonzept, Integrationskonzept
TestsAusführungLösungsentstehung und AbschlussTestkonzept, Testprotokoll, Testinfrastruktur realisiert
EinführungsorganisationAusführungLösungsentstehungEinführungskonzept, Abnahmeprotokoll, Einführungsmassnahmen durchgeführt
IT-MigrationAusführungLösungsentstehung und AbschlussMigrationskonzept, Migration durchgeführt, Altsystem entfernt
IT-BetriebAusführungLösungsentstehungBetriebskonzept, Service Level Agreement, Betriebshandbuch
ISDSAusführungLösungsentstehungISDS-Konzept, ISDS-Massnahmen realisiert

«Lösungsentstehung» meint klassisch die Phasen Konzept, Realisierung und Einführung, agil die Phase Umsetzung. Tests und IT-Migration reichen in den Abschluss hinein, weil dort die Testinfrastruktur übergeben und das Altsystem entfernt wird.[1]

Module für Steuerung und Führung

Projektsteuerung

Das Modul sorgt für die gesamthafte und organisationsübergreifende Steuerung des Projekts und stellt die Erreichung der Ziele sicher. Zu tun ist: das Projekt initialisieren, kontinuierlich steuern und die Übereinstimmung mit Zielen und Vorgaben der Stammorganisation sicherstellen, Anliegen der Stakeholder integrieren, Entscheide zu Risiken treffen und das Projekt abschliessen oder vorzeitig abbrechen.[1] Fast alle Phasen-Meilensteine sind Entscheidungsaufgaben dieses Moduls — von der Projektinitialisierungsfreigabe bis zum Projektabschluss, dazu die optionale Releasefreigabe und der Projektabbruch.

Projektführung

Im Modul Projektführung wird das Projekt geplant, geführt und koordiniert. Dazu gehören Risiken managen, Probleme behandeln und Erfahrungen nutzen, Leistungen vereinbaren und steuern, Änderungen managen, Stakeholder informieren und die Qualitätssicherung führen.[1] Für Projektleitende ist es das Alltagsmodul: Hier entstehen Projektstatusbericht, Arbeitsauftrag, Änderungsantrag und die Unterlagen für jede Phasenfreigabe.

Welche Aufgaben stecken in Projektsteuerung und Projektführung?

Die beiden Führungsmodule begleiten das Projekt über alle Phasen und erzeugen den grössten Teil der Projektmanagement-Dokumente. Ihre Aufgaben und Ergebnisse laut Referenzhandbuch:[1]

Aufgaben im Modul Projektsteuerung
AufgabeWichtigste Ergebnisse
Entscheid Projektinitialisierungsfreigabe treffenProjektinitialisierungsauftrag, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Durchführungsfreigabe treffenDurchführungsauftrag, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Phasenfreigabe treffenQS- und Risikobericht, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Releasefreigabe treffen (optional)QS- und Risikobericht, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Phasenfreigabe Abschluss treffenQS- und Risikobericht, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Projektabschluss treffenQS- und Risikobericht, Checkliste, Meilenstein
Entscheid Projektabbruch treffenProjektschlussbeurteilung, Projekterfahrungen, Checkliste
Projekt steuernQS- und Risikobericht, Liste Projektentscheide Steuerung
Aufgaben im Modul Projektführung
AufgabeWichtigste Ergebnisse
Durchführungsauftrag und Projektmanagementplan erarbeitenDurchführungsauftrag, Projektmanagementplan
Projekt führen und kontrollierenArbeitsauftrag, Projektstatusbericht, Protokoll, Lösungsanforderungen, Detailspezifikation
Risiken managenProjektstatusbericht, Projektmanagementplan
Probleme behandeln und Erfahrungen nutzenProjekterfahrungen
Änderungen managenÄnderungsantrag, Änderungsstatusliste
Leistungen vereinbaren und steuernOffertanfrage, Angebot, Evaluationsbericht, Vereinbarung
Stakeholder managen und informierenStakeholderliste, Stakeholderinteressen
Qualitätssicherung führenPrüfprotokoll
Phasenfreigabe, Releaseabschluss und Projektabschluss vorbereitenPhasenbericht, Releasebericht, Projektschlussbeurteilung

Die Tabellen machen eine Arbeitsteilung sichtbar: Die Projektsteuerung entscheidet, die Projektführung bereitet vor. Wer eine Phasenfreigabe plant, braucht also Ergebnisse aus beiden Modulen — den Phasenbericht aus der Führung und den QS- und Risikobericht für die Steuerung. Wann welcher Entscheid fällt, zeigt das Kapitel Meilensteine und Entscheide, die Inhalte der Dokumente das Kapitel Ergebnisse.

Module für die Ausführung

Projektgrundlagen

Schafft in der Initialisierung eine fundierte Ausgangslage: Studie, Rechtsgrundlagenanalyse, Schutzbedarfsanalyse und bei geplanter Beschaffung die Beschaffungsanalyse. Das Modul enthält auch den Entscheid Weiteres Vorgehen und optional ein Prototyping.[1]

Beschaffung

Dient der Beschaffung eines marktverfügbaren Systems, Produkts oder einer Dienstleistung im offenen oder selektiven Verfahren mit öffentlicher Publikation. Alle anderen Beschaffungen laufen über das Modul Projektführung. Die Grundlagen wie Bedarfs- und Marktanalyse und die Verfahrenswahl entstehen vorher in der Beschaffungsanalyse.[1] Ergebnisse sind unter anderem Ausschreibungsunterlagen mit Pflichtenheft und Kriterienkatalog, Angebotsprotokoll, Evaluationsbericht sowie die Entscheide Ausschreibung und Zuschlag.

Organisation

Unterstützt den Aufbau oder die Anpassung der Organisation: Geschäftsmodell, Aufbau- und Ablauforganisation konzipieren, umsetzen und aktivieren und die Stakeholder in die Lösungsentstehung einbeziehen. Ergebnisse sind Situationsanalyse, Organisationsanforderungen, Organisationskonzept, Geschäftsmodell-, Organisations- und Prozessbeschreibung.

Produkt

Dient der Entwicklung eines Produkts oder einer Dienstleistung: Produktkonzept erarbeiten, Lösungsanforderungen verfeinern, Detailspezifikation erstellen und das Produkt entwickeln oder anpassen, inklusive Produktdokumentation und Anwendungshandbuch.

IT-System

Dient der Entwicklung eines IT-Systems: Lösungsanforderungen verfeinern, Lösungsarchitektur erarbeiten und die Machbarkeit prüfen, das System realisieren, integrieren und dokumentieren. Der Entscheid Lösungsarchitektur ist ein eigener Meilenstein der Führungsebene.

Tests

Organisiert das systematische Testen: Testkonzept erarbeiten, Testinfrastruktur realisieren, Tests durchführen und protokollieren und die Testinfrastruktur im Abschluss überführen.

Einführungsorganisation

Unterstützt Schulung und Einführung sowie den Übergang in den neuen Zustand: Einführungskonzept mit Organisations-Changemanagement, Ausbildungskonzept und Abnahmeplanung, Einführungsmassnahmen realisieren und durchführen, Vorabnahme und Abnahme durchführen, Entscheid Betriebsaufnahme treffen.[1]

IT-Migration

Überführt die Daten in das neue System und setzt das Altsystem ausser Betrieb: Migrationskonzept, Migrationsverfahren, Durchführung, Abnahme der Migration und Entfernung des Altsystems.

IT-Betrieb

Konzipiert und realisiert die Betriebsorganisation beim Betreiber: Betriebskonzept und Service Level Agreement, Betriebsinfrastruktur und -organisation realisieren, das System in den Betrieb integrieren und den Betrieb aktivieren.

ISDS

Definiert die Schutzmassnahmen für Informationssicherheit und Datenschutz bei Nutzung und Betrieb der IT-Lösung: Anforderungen ermitteln, Risiken bewerten, Massnahmen konzipieren und umsetzen, das ISDS-Konzept erarbeiten, realisieren und in den Betrieb überführen.[1] Die Schutzbedarfsanalyse aus der Initialisierung ist der Ausgangspunkt.

Wie arbeiten die Module bei agiler Umsetzung?

Bei agilem Vorgehen ändern sich nicht die Module, sondern ihr Takt. Das Gesamtbild im Referenzhandbuch zeigt die Module Produkt und IT-System als treibenden Kern der Iterationen; die Ergebnisse der übrigen Module — Organisation, Tests, Einführungsorganisation, IT-Betrieb, ISDS — werden im gleichen Takt iterativ-inkrementell miterarbeitet.[1] Ein Betriebshandbuch entsteht also nicht am Ende, sondern wächst mit jedem Release.

Für die Planung bedeutet das: Die Verantwortlichen der begleitenden Module gehören von Beginn an in die Umsetzungsorganisation oder zumindest in die Release-Planung. Wer den Betrieb oder die Informationssicherheit erst vor dem ersten Go-live einbezieht, verliert genau den Vorteil, den das agile Vorgehen bringen soll. Den Rahmen beschreibt der HERMES-Leitfaden im Abschnitt zu agilen und hybriden Vorgehen.

Eigene Module entwickeln

Ergänzend zu den Standardmodulen können Organisationen eigene fach-, organisations- oder vorhabenspezifische Module mit bestehenden oder neuen Aufgaben und Ergebnissen entwickeln und in Projekte oder Szenarien integrieren. Das Referenzhandbuch nennt als Beispiele Marketing, Immobilien, Kommunikation, Personalentwicklung, Rechtsetzung, Ausbildung, Strategieentwicklung oder die Einführung einer Geschäftsverwaltung.[1]

Ein eigenes Modul lohnt sich, wenn ein Thema in vielen Projekten wiederkehrt und eigene Ergebnisse oder Entscheide braucht — etwa ein Kommunikationskonzept mit Freigabe durch die Kommunikationsabteilung. Es sollte wie die Standardmodule aufgebaut sein: Zweck, Aufgaben, Ergebnisse je Phase und verantwortliche Rollen.

Module sind keine Teilprojekte

Module strukturieren die Methode, Teilprojekte die Organisation. Ein Projekt kann in Teilprojekte gegliedert werden, die unterschiedliche Aspekte desselben Projekts bearbeiten, zum Beispiel Teilprojekte für Anwender, Ersteller und Betreiber oder für Organisation, IT und Rechtsgrundlagen.[3] Ein Teilprojekt bearbeitet dabei oft Aufgaben aus mehreren Modulen.

Welche Module braucht mein Projekt?

Die Standardszenarien geben die Auswahl vor, das Tailoring passt sie an; ganze Module dürfen wegfallen, ohne die HERMES-Governance zu verletzen.[4] Eine kurze Prüfliste hilft bei der Entscheidung:

  • Wird etwas öffentlich ausgeschrieben? Dann Modul Beschaffung — andere Beschaffungen laufen über die Projektführung.
  • Werden Daten aus einem Altsystem übernommen? Dann IT-Migration, sonst entfernen.
  • Muss ein Betreiber einen Betrieb aufbauen oder anpassen? Dann IT-Betrieb.
  • Werden Personendaten oder schützenswerte Informationen bearbeitet? Dann ISDS — die Schutzbedarfsanalyse gibt die Antwort.
  • Ändern sich Abläufe oder Zuständigkeiten? Dann Organisation, in der Praxis fast immer.

Häufige Fragen

Wie viele Module hat HERMES 2022?

HERMES 2022 bietet zwölf Standardmodule: Projektsteuerung, Projektführung, Projektgrundlagen, Beschaffung, Organisation, Produkt, IT-System, Tests, Einführungsorganisation, IT-Migration, IT-Betrieb und ISDS. Organisationen können eigene fachspezifische Module ergänzen, etwa für Kommunikation oder Rechtsetzung, und in benutzerdefinierte Szenarien integrieren.

Welche HERMES-Module sind Pflicht?

Projektsteuerung, Projektführung, Projektgrundlagen und Einführungsorganisation müssen in jedem Projekt vorkommen, damit die Projekt-Governance eingehalten wird. Sie sichern Steuerung und Freigaben, die Führung des Projekts, eine fundierte Ausgangslage in der Initialisierung und einen geordneten Übergang in den neuen Zustand.

Was bedeutet ISDS in HERMES?

ISDS steht für Informationssicherheit und Datenschutz. Das Modul definiert die Schutzmassnahmen für Nutzung und Betrieb einer IT-Lösung, baut auf der Schutzbedarfsanalyse aus der Initialisierung auf und endet mit dem ISDS-Konzept, das realisiert und in den Betrieb überführt wird.

Wann braucht es das Modul Beschaffung?

Bei Beschaffungen im offenen oder selektiven Verfahren mit öffentlicher Publikation. Alle anderen Beschaffungen, etwa Offerten innerhalb eines Rahmenvertrags, werden im Modul Projektführung über die Aufgabe Leistungen vereinbaren und steuern abgewickelt. Die Verfahrenswahl selbst gehört zur Beschaffungsanalyse.

Quellen

  1. [1]HERMES Referenzhandbuch Projektmanagement, Ausgabe 2022 (3. Auflage, 31.12.2025) — Bundeskanzlei BK, Digitale Transformation und IKT-Lenkung (DTI). Abgerufen am 23. Oktober 2026 · Primärquelle
  2. [2]HERMES Online: Module — Bundeskanzlei BK. Abgerufen am 23. Oktober 2026 · Primärquelle
  3. [3]HERMES Online: Methodenüberblick Projektmanagement — Bundeskanzlei BK. Abgerufen am 23. Oktober 2026 · Primärquelle
  4. [4]Anleitung Sizing und Tailoring HERMES 2022 — Bundeskanzlei BK (HERMES Online). Abgerufen am 23. Oktober 2026 · Primärquelle

Änderungen an diesem Artikel

  • 23. Oktober 2026: Erstveröffentlichung, geprüft gegen das HERMES-Referenzhandbuch (Ausgabe 2022, 3. Auflage).

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